Eutergesundheit: In der Trockenstehzeit handeln

Das Euter der Kuh ist ständig durch mehr als 140 bekannte Erreger gefährdet. Jedoch birgt keine Phase der gesamten Laktation eine solche Fülle von Infektionsgefahren wie die relativ kurze Zeit der Milchkarenz.
Lässt eine Kuh mit mangelndem Zitzenverschluss Milch rinnen, wirken die an den Zitzen haftenden Tropfen wie ein Docht für Keime.
Lässt eine Kuh mit mangelndem Zitzenverschluss Milch rinnen, wirken die an den Zitzen haftenden Tropfen wie ein Docht für Keime.
Die Zitzen sind fast rund um die Uhr Fäkalkeimen im Stall ausgesetzt und werden durch die tägliche Melkarbeit strapaziert. Während der Melkarbeit ist das Euter auch durch das Übertragen ansteckender (kontagiöser) Keime gefährdet. Diese Dauerbedrohung führt dazu, dass in der Milchviehhaltung die meisten Behandlungskosten und höchsten Antibiotikaverbräuche durch mangelnde Eutergesundheit verursacht werden. Jede Kuh ist in einem Stall mit Gefährdungspotenzial von Vornherein mit etwa 50 Euro belastet. Eine akute klinische Mastitis kann mehrere Hundert Euro Ausgaben verursachen, insgesamt entstehen aber die meisten Verluste von über 90 % durch unterschwellige und nicht klinisch auffällige Mastitiden. Landwirte können durch die Kenntnis der wichtigsten Gefahrenpunkte für das Euter im Laktationsverlauf und vor allem in der Trockenstehphase viele Kosten sparen.

Zitzen versiegeln?
Vielen Landwirten, aber auch Tierärzten ist nicht bekannt, dass gerade die Euterentzündungen im ersten Monat in der überwiegenden Anzahl ihren Ursprung in der Trockenstehphase haben. Dies trifft vor allen Dingen für Umweltkeime zu. Die Keime wandern oftmals in den letzten vierzehn Tagen vor dem Abkalben in die Zitze ein, da in dieser Zeit kein antibiotischer Schutz des Trockenstellers mehr vorhanden ist. Die eingewanderten Keime lösen dann erst im Zuge der Abkalbung durch eine erhöhte Immunsuppression eine klinisch auffällige Euterentzündung aus. Bis zu acht Monate nach der Kalbung können sich Infektionen aus der Trockenphase noch auswirken.
Unter diesen neueren Erkenntnissen wurde nun eine kombinierte antibiotische Trockensteh-Therapie entwickelt. Zusätzlich zum bewährten Euterinjektor kommt nun ein interner antibiotikafreier Zitzenversiegler in die Zitze. Dadurch wird diese gegen aufsteigende Keime abgeschottet. Der Effekt durch diese zusätzliche Maßnahme wurde unter anderem kürzlich in einer hessischen Studie des Eutergesundheitsdienstes und der Uni Giessen demonstriert. Das Auftreten klinischer Mastitiden konnte durch die Kombinationstherapie mit antibiotischen Trockenstellern (AB) und einem antibiotikafreien Zitzenversiegler (OrbeSeal®, Fa. Pfizer) um 40 % gesenkt werden.

Fazit
Die Trockenstehphase beinhaltet die wichtigsten und kostenintensivsten Gefahrenmomente im Mastitisgeschehen. Will man als Landwirt Infektionen verhindern und Euterentzündungen vermeiden, muss man in dieser Zeit ansetzen. Lässt man diese Erkenntnisse und Behandlungsstrategien außer Acht, verzichtet man auf 80%ige Erfolgsaussichten im Kampf gegen Mastitiden.

Autor: Dr. Peter ZIEGER, Innovationsteam Milch Hessen, Appenrod (D)


Autor:
Aktualisiert am: 09.10.2007 10:29

Landwirt.com Händler Landwirt.com User