Europäische Bauern demonstrierten in Luxemburg

Zu Wochenbeginn fand in Luxemburg eine paneuropäische Bauerndemonstration statt. Aus allen 27 EU-Ländern reisten zirka 4.000 Demonstranten mit rund 400 Traktoren an, um Europa und den in der Stadt versammelten Landwirtschaftsministern vor Augen zu führen, wie ernst die Krise wirklich ist.
Ob Brüssel, Wien oder zuletzt Luxemburg - aus Angst um ihre Zukunft gehen europäische Landwirte vermehrt zu Protestkundgebungen auf die Straße.
Ob Brüssel, Wien oder zuletzt Luxemburg - aus Angst um ihre Zukunft gehen europäische Landwirte vermehrt zu Protestkundgebungen auf die Straße.
Die Bauern bewegten sich sternförmig zu Fuß oder mit ihren Maschinen auf das Tagungsgebäude des EU-Agrarrates zu. Dort informierten Verbandsfunktionäre die Presse vorab über die wichtigsten Forderungen der Demonstranten.

Auch Österreich vertreten

Bei der Demo in Luxemburg waren auch die LK Österreich und der Bauernbund vertreten. Aus Österreich nahmen neben den LK-Präsidenten Gerhard Wlodkowski und Josef Moosbrugger auch weitere Spitzenvertreter des Agrarbereichs, wie Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch, teil. Das verwundert und stimmt andererseits aber auch hoffnungsvoll, denn bislang hatte ja gerade Präsident Grillitsch selbst Protest und Aktionismus auf der Straße durch bäuerliche Gruppen wie die IG-Milch scharf verurteilt. In Wien hatte Grillitsch vor wenigen Wochen noch jeden Kontakt mit protestierenden Bauern vermieden,was ihm herbe Kritik einbrachte. Grillitsch hat schnell gelernt und tritt nun doch selbst auf die Seite jener, die er zuvertreten hat.

Zukunft der EU-Nahrungsmittelversorgung steht auf dem Spiel

"Wir machen nun schon über Monate eine schwere Krise - speziell im Sektor Milch - durch, der wie kein anderer getroffen worden ist. Wir brauchen eine sofortige Antwort von unseren Landwirtschaftsministern und wir sind heute hier, um auf diese Antwort zu bestehen. Ohne Bauern kein Essen", betonte Copa-Präsident Padraig Walshe anlässlich einer Pressekonferenz. "Wenn nicht dringend gehandelt wird, steht die Zukunft der Nahrungsmittelversorgung in Europa auf dem Spiel. Die Landwirtschaft in Berg- oder benachteiligten Gebieten, auf die 60% aller Milchlieferungen in der EU entfallen, könnte für immer von der Bildfläche verschwinden", so Walshe. Doch nicht nur in diesem Bereich, sondern auch in anderen Sektoren, wie Schweinefleisch oder Olivenöl, gebe es einen schleppenden Absatz.



Millionen Arbeitsplätze in der Ernährungsindustrie gefährdet

"Wir brauchen einen Krisenplan für die Landwirtschaft. Dieser muss kohärent sein und den Landwirten und ihren Genossenschaften helfen, die aktuelle außergewöhnliche Krise zu überleben. Wir müssen einen besseren Anteil am Wert unserer Produkte erhalten, rechtzeitig bezahlt werden und alle unseren Lebensunterhalt mit unserer Arbeit sichern können. Gefährdet sind nicht nur die europäischen Bauern: Auf dem Spiel stehen auch Millionen Arbeitsplätze in der EU-Ernährungsindustrie", betonte Cogeca-Vizepräsident Paolo Bruni. "Der Einzelhandel setzt uns ungemein stark unter Druck. Wir verlangen einen fairen Anteil am Verkaufspreis", ergänzte Walshe.


Aktualisiert am: 29.06.2009 15:29
Landwirt.com Händler Landwirt.com User