Eurokrise hat Auswirkungen auf Fleischkonsum

Die EU-Kommission erwartet einen Rückgang des Pro-Kopf-Fleischverbrauchs um 1,4 Kilogramm in den kommenden zwei Jahren. Auch die Fleischerzeugung in den Mitgliedstaaten soll dieses und nächstes Jahr sinken. Auch die Sauen-Gruppenhaltung wird Auswirkungen haben. Der Exportboom von Schweinefleisch soll 2013 zu Ende sein.
In der EU-Prognose wird die Schweinefleischerzeugung für 2013 auf 22,6 Mio t veranschlagt - 2 % weniger als 2012.
In der EU-Prognose wird die Schweinefleischerzeugung für 2013 auf 22,6 Mio t veranschlagt - 2 % weniger als 2012.
Aufgrund der harten Sparauflagen durch die Schulden- und Wirtschaftskrise in vielen Staaten der EU werden die Verbraucher in der Gemeinschaft ihren Fleischkonsum in diesem und im nächsten Jahr drosseln. Zu dieser Einschätzung gelangt die EU-Kommission in ihrer aktuellen Prognose zur kurzfristigen Entwicklung der landwirtschaftlichen Märkte. Die Brüsseler Marktanalysten gehen davon aus, dass der durchschnittliche EU-Bürger in diesem Jahr fast 1 kg weniger Fleisch verzehren wird als 2011 und der Pro-Kopf-Verbrauch 2013 um ein weiteres halbes Kilogramm auf 81,7 kg sinkt. Der Gesamtkonsum läge im kommenden Jahr dann bei 41,3 Mio t; das wären 500.000 t oder 1,2 % weniger als 2011. Der EU-Kommission zufolge werden sich die Verbraucher in der Gemeinschaft vor allem beim Kauf von Rind- und Schweinefleisch zurückhalten, während der Verzehr von Geflügelfleisch knapp stabil bleiben soll. Die rückläufige Fleischnachfrage ist aus Sicht der Brüsseler Marktbeobachter aber auch eine Folge des knapperen Marktangebots und vergleichsweise hoher Preise. Über alle Tierarten hinweg habe der EU-Viehbestand im Dezember 2011 um 1,6 % unter dem Vorjahresniveau gelegen; insbesondere die Abstockung der weiblichen Zuchttiere werde die Produktion sinken lassen, erläuterte die EU-Kommission. Sie erwartet für 2012 in der Gemeinschaft einen Rückgang der Fleischerzeugung um 0,4 %, der sich im kommenden Jahr mit einem Minus von 1,0 % noch beschleunigen soll. Die sich abzeichnende Angebotslücke soll laut EU-Kommission im nächsten Jahr durch einen Rückgang der Exporte und höhere Importe geschlossen werden.

Weniger Schweine durch Sauengruppenhaltung
Die Schweinefleischerzeugung in den 27 Staaten der Gemeinschaft soll nach Einschätzung der EU-Kommission in diesem Jahr bei 23,1 Mio t und damit etwa auf dem Vorjahresniveau liegen. Damit hätte der Rückgang des Bestandes um mehr als 2,5 Millionen Tiere oder 1,7 % auf 148,5 Millionen Schweine im Dezember 2011 zunächst keine negative Produktionswirkung. Diese soll dann aber 2013 folgen. In der EU-Prognose wird die Schweinefleischerzeugung für das kommende Jahr auf 22,6 Mio t veranschlagt; das wären rund 460.000 t oder 2,0 % weniger als 2012. Als maßgeblichen Faktor für diese Entwicklung nennen die Brüsseler Analysten die neuen Vorschriften zur Gruppenhaltung von Sauen. Diese verlangten den Schweinehaltern hohe Investitionen ab. Die Folge wird nach Auffassung der Marktbeobachter in Brüssel ein weiterer Rückgang des Sauenbestandes und damit der Produktion sein. Die professionellen Schweinehalter in den östlichen EU-Ländern seien von dem Umrüstzwang weniger stark betroffen, da nach dem Beitritt zur Gemeinschaft in den vergangenen zehn Jahren oft in moderne Stallanlagen investiert worden sei, erläuterte die Kommission. Wie aus der Prognose weiter hervorgeht, soll der Boom der EU-Schweinefleischexporte im nächsten Jahr zum Stillstand kommen und aufgrund des geringeren Angebots fast 11 % weniger Schweinefleisch an Auslandskunden verkauft werden. Für dieses Jahr wird allerdings wegen des schwachen Eurokurses und der anhaltend guten Nachfrage in China mit einer Rekordausfuhrmenge von mehr als 2,3 Mio t gerechnet; das wären 3,6 % mehr als 2011. Weniger optimistisch fällt die Prognose hinsichtlich des Schweinefleischverbrauchs aus. Dieser soll sich in diesem Jahr um 0,4 % und 2013 um weitere 1,0 % verringern.

Aktualisiert am: 30.07.2012 16:00
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