Es rührt sich was im Milchregal

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Wie Bauern zu produzieren haben, wird zunehmend vom Handel diktiert. Als Druckmittel dienen die Handelsmarken. Wer mit Bio-Produkten ins Regal will, kommt an denen nicht vorbei. Ein paar tüchtige Molkerei-Manager lassen sich davon aber nicht beeindrucken.
Laut AMA-Marketing werden 75 % der Bio-Produkte im Supermarkt gekauft. Auch in Deutschland wächst der Bio-Absatz durch den LEH.  Foto: Burgstaller
Laut AMA-Marketing werden 75 % der Bio-Produkte im Supermarkt gekauft. Auch in Deutschland wächst der Bio-Absatz durch den LEH. Foto: Burgstaller
Die Handelsketten wissen, wie sie Bio unter die Leute bringen: mit Handelsmarken und billig. Gehen wir am besten in einen Supermarkt von ALDI und schlendern das Kühlregal entlang. Wir sehen eine Fülle von Bio Molkereiprodukten. Aber wir sehen nur ein Markenzeichen. Weiße Milchkartons mit grünem Bio-Logo, Bio-Quark mit dem gleichen Logo. Sogar Bio-Lassi wird hier angeboten – ebenfalls mit grünem Logo. Das grüne, quadratische Bio-Logo stellt die hauseigene Bio-Marke von Aldi dar. Unter ihrem Namen werden so gut wie alle Bio-Produkte verkauft. Gingen wir in der Schweiz oder in Österreich in die Supermärkte oder Diskontläden, wäre das Ergebnis nicht anders. Der Bio-Markt wird im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) durch Handelsmarken bestimmt. Bereits zwei Drittel der Trinkmilcherzeugnisse werden in Österreich als Handelsmarken gekauft. In Deutschland liegt deren Anteil bei 57 %.

Hohe Umsätze mit billigen Bio-Produkten
Die Bio-Milcherzeuger sind mit ihren Molkereien nur Dienstleister. Sie füllen das Produkt für den Handel ab. Markenführung, Werbung und Preisgestaltung liegt ganz beim Handel. Das Ergebnis sind hohe Bio-Umsätze zu günstigen Preisen. 75 % der Bio-Produkte werden im Supermarkt gekauft, so eine Information von AMA-Marketing. Auch in Deutschland wächst der Bio-Absatz durch den LEH. Öfter Bio zu kaufen heißt somit, öfter zu einer Handelsmarke zu greifen.

„Regionalität bremst die Austauschbarkeit.“
Auf ein Experiment lässt sich die Salzburgmilch mit der Marke Reine Lungau ein. Für 70 Cent Bauernmilchpreis wird den Konsumenten einiges versprochen, was kleinstrukturierte
Kreislaufwirtschaft betrifft. Futter bekommen die Kühe ausschließlich aus dem Lungau. Im Schnitt haben die Höfe 12 Kühe im Stall stehen. Der Schriftzug „Biosphärenpark“ prangt auf der Packung. Zu finden ist diese Bio-Lungau-Milchrarität im Regal von REWE um 1,99 €/Liter. Dort gab es bisher nur einen Bio-Alleinherrscher: Ja! Natürlich.

Es geht aber auch ganz unspektakulär traditionell. Die Lokalmarke Ländle-Bio-Milch sichert der VorarlbergMilch den Regalplatz in ganz Vorarlberg. Johann Költringer, Geschäftsführer
der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), betont: „Regionalität bremst die Austauschbarkeit und deshalb kann sie eine Chance für die Bauern sein.“

Herstellermarken als Marktspürnasen
Dass die Handelsketten überhaupt anderen Bio-Marken ihre Regale überlassen, kann auch damit zu tun haben, dass auf diese Art zu geringsten Kosten Kaufwünsche ausgespürt werden können. Ein solcher Versuchsballon ist die Bio-H-Milch, die Bergland bei REWE anbietet. Gerade weil Bio-Haltbarmilch scheel angesehen wird, steht sie als Nischen-Herstellermarke im Regal. Wer das Bio-Milchsegment beobachtet, erkennt eine Tendenz: An den jeweiligen Endpunkten der Qualitätsschiene können sich die Bio-Herstellermarken Platz schaffen.


Warum Bio-Käufer in Österreich wieder gerne zur Glasflasche greifen und welche Chancen Johann Költringer von der VÖM für die heimischen Bio-Produzenten sieht, erfahren Sie in der aktuellen LANDWIRT Bio-Ausgabe 5/2018. Lesen Sie außerdem ein Interview mit dem Bio-Wiesenmilch-Beauftragten Rudi Vierbauch, der sagt: „Wer Bio-Milch verkaufen will, muss immer innovativ sein und investieren.“

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Autor: Alois BURGSTALLER, LANDWIRT Redakteur

Aktualisiert am: 06.09.2018 15:53
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