„Es braucht Fingerspitzengefühl“

Als Biobetrieb erzielte Familie Edegger mit 2.783 € je Kuh die höchste Direktkostenfreie Leistung aller steirischer Arbeitskreisbetriebe. Was hinter dem wirtschaftlichen Erfolg steckt, haben uns Gertrud und Christian Edegger verraten: Keine Wundermittel, sondern konsequentes Management und viel Feingefühl im Umgang mit den Tieren.
Gregor, Gertrud, Matthäus, Patricia, Florian und Christian Edegger zeigen Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kühen.
Gregor, Gertrud, Matthäus, Patricia, Florian und Christian Edegger zeigen Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kühen.
1993 baute Familie Edegger ihren unkonventionellen und einzigartigen Tretmiststall. An der bergseitigen Längsachse befinden sich das Fressgitter und dahinter der Spaltenboden bis zur Stallmitte. Zur Talseite hin beginnt der Tretmiststall. Dieser ist nur über Stufen erreichbar und der Länge nach durch eine Wand vom Fressbereich getrennt. An der Talseite des Tretmiststalls treten die Kühe beim Vorbeigehen zum Liegebereich den alten Mist durch einen Spalt auf den darunter befindlichen Misthaufen. Obwohl das System funktioniert und keine Probleme bereitet, würde Christian Edegger heute geräumiger bauen. 2004 setzte der Betriebsführer den nächsten Schritt um sich auf die Herausforderungen der Zukunft als professioneller Milchviehhalter vorzubereiten: Er trat dem Arbeitskreis Milchproduktion bei. Eine der vielen neuen Ideen setzte er prompt um. Sobald die Temperaturen wieder auf über 25° C steigen, dürfen sich die Kühe im Sommer auf eine Dusche freuen. Ein alter Gartenschlauch mit Löchern versehen leistet als Sprenkelanlage entlang der Futterachse kühlende Dienste. „Bei den Kühen sind wir konsequent und schauen mehrmals am Tag nach den Tieren“, erklärt Gertrud Edegger. Im Stall tummeln sich nebst den Kühen auch die Kälber. Eine ungewöhnliche Alternative, die die Leistung der Kühe nicht beeinträchtigt und Platz spart: Ab einem Alter von vier Monaten weilen die Kälber im Bereich der Kühe und fressen mit ihnen. Später kommt das einjährige Jungvieh zu den Kalbinnen in einen separaten Bereich.

Die Erfolgsfaktoren der Familie Edegger
1. Euter pflegen und schützen
Vorreinigen und Dippen gehört am Biobetrieb zur Melkroutine. Mindestens einmal monatlich, zwischen den Milchleistungskontrollen, führt das Betriebsführerehepaar einen Schalmtest bei allen Kühen durch. Die Milch von auffälligen Kühen wird sofort zur Kontrolle an den Steirischen Eutergesundheitsdienst gesandt.

Derzeit desinfiziert Familie Edegger die Melkzeuge zwischen den Kühen zusätzlich mit Peressigsäure um die Verschleppung von Krankheitserregern zu vermeiden. Nur so ist es möglich, die besonderen Qualitätskriterien mit durchschnittlich 123.000 Zellzahl und 7.400 Keimzahl einzuhalten.

2. Perfekte Tierbetreuung (fast) rund um die Uhr
„Wir setzen auch vermehrt auf Homöopathie. Das setzt voraus, dass wir uns mit den Kühen wirklich gut beschäftigen und genau hinschauen“, beschreibt Gertrud Edegger die tägliche Arbeit mit den Tieren. Zudem sorgt mehrmaliges Futter-Nachschieben am Tag für eine hohe Grundfutterleistung und eine intensive Tierkontrolle. Brunstkontrolle in der Früh bevor die Kühe aufstehen und häufige Kontrollen am Laufhof und im Stall sichern eine hohe Brunsterkennungsrate.

Autor: Sebastian SEMLITSCH, Graz

Aktualisiert am: 06.04.2007 10:34
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