Erziehung: Fördern statt Überfordern

Die Menge macht das Gift!“ Diese Erkenntnis des Arztes Paracelsus lässt sich auch auf das Fördern von Kindern anwenden.
Durch Fördern nicht Stressen – es muss genug Zeit für Ruhe sein!
Durch Fördern nicht Stressen – es muss genug Zeit für Ruhe sein!
Zum Schulbeginn bieten sich stets besonders viele Möglichkeiten für Fördermöglichkeiten an. Nicht nur Schulen und Vereine, auch Lerninstitute und verschiedene Privatpersonen werben im Herbst um neue Mitglieder und Kursteilnehmer. Eltern und Schüler sollten sich wie Kunden in einem großen Geschäft sehen, die aus einer großen Auswahl an Angeboten das für sie Geeignete wählen dürfen. Entscheidend sind Neigungen und Vorlieben des Kindes und nicht die der Eltern. Nur weil schon der Großvater Geige gespielt hat und noch ein bespielbares Instrument am Dachboden liegt, muss das Erlernen des Violinenspiels nicht Sache des Enkels sein. Dies gilt für jeglichen Musikunterricht, auch wenn Instrumentalunterricht Intelligenz fördernd und die Wahrnehmung schärfend wirkt. Zeigt ein Kind aber an Musik grundsätzlich Interesse und hat Freude am Singen und der Rhythmik, dann ist die Wahl des passenden Instrumentes und der geeigneten Musikschule eine gute und sinnvolle Investition in die Weiterbildung des Kindes.
Das Gleiche gilt auch für das Erlernen einer zusätzlichen Sprache. Viele Eltern meinen, dass ein Kind bei den wachsenden internationalen Anforderungen im Beruf nicht früh genug verschiedene Sprachen erlernen sollte. Dennoch ist es zunächst wichtig, dass Kinder die eigene Muttersprache gut beherrschen.
Besteht aber Interesse an einer speziellen Sprache oder ist das Kind grundsätzlich in der Schule unterfordert bzw. sprachbegabt und -interessiert, kann ein zusätzlicher Nachmittagskurs durchaus sinnvoll sein. Allerdings sollte der Unterricht eher spielerisch gestaltet sein.
Durch die Streichung von Turnstunden in den Schulen bevorzugen zahlreiche Eltern zusätzliche Sporteinheiten als Freizeitgestaltung. Dies ist die richtige Entscheidung, denn Bewegung macht schlau und hilft gegen Kopfschmerzen und Verspannungen, unter denen immer mehr Schulkinder leiden!

Toben und Ruhe im Wechsel
Allerdings benötigt auch das aktivste Kind Ruhepausen. Besonders gut entspannen kleine ABC-Schützen beim Vorlesen, einem gemeinsamen Gesellschaftsspiel oder einem gemütlichen Spaziergang. Manchmal darf es auch eine Fernsehsendung oder ein Hörspiel sein.
Kinder, deren Terminkalender mit Aktivitäten zugepflastert ist, haben für diesen Ruhe-Tobe-Rhythmus keine Zeit und fühlen sich dadurch ständig überfordert.
Die Stressbewältigung liegt sozusagen vor der Haustür. Die Mobilität ist auch für den Nachwuchs zum Verhängnis geworden. Auch wenn die Nachbarstadt, der nächste Ort mit all den herrlichen Fördermöglichkeiten für das Kind noch so leicht erreichbar sind, ist es manchmal der bessere Weg, Angebote, die in Fußweite erreichbar sind, anzunehmen, anstatt halbe Nachmittage im Auto zu verbringen. Manchmal gibt es spezielle Kurse nur in weiterer Entfernung. Sollte diese Veranstaltung für das Kind gut und wichtig sein, dann genügt es, einmal oder höchstens zweimal wöchentlich in dieser Entfernung Fördermöglichkeiten wahrzunehmen. An den anderen Tagen sollte dann genügend Zeit zum Spielen und freier Gestaltung des Nachmittags sein.

Autorin: Roswitha WURM, Wien


Aktualisiert am: 11.09.2007 15:45
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