Erzeugermilchpreise in Europa um 30 % unter dem Vorjahresniveau

Die Lage am internationalen Milchmarkt ist nach wie vor dramatisch, die Experten sehen aber mittlerweile leichte Anzeichen für eine "vorsichtige Trendwende ". Der Deutsche Milchindustrie-Verband (MIV) registriert eine langsame Verbesserung der Situation am europäischen Markt.
Die Talfahrt für die Notierungen der wichtigsten Milchprodukte dürfte vorerst beendet sein, wird betont. Die verbesserte Marktlage werde sich
Experten sehen leichte Anzeichen für Trendwende am Milchmarkt.
Experten sehen leichte Anzeichen für Trendwende am Milchmarkt.
jedoch erst mit zeitlicher Verzögerung und unterschiedlichen Ausprägungen auf die Erzeugermilchpreise niederschlagen. Diese waren zur Jahresmitte innerhalb der EU um fast ein Drittel niedriger als ein Jahr zuvor.

Milchangebot begrenzen
In Österreich wurde im Juli 2009 laut Berechnungen der AMA ein durchschnittlicher Erzeugerpreis von netto 26,1 und brutto 29,3 Cent (ab Hof, bei 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß) ausbezahlt. Damit kam zwar die dramatische Talfahrt bei den Preisen fast zum Stillstand, das Vorjahresniveau wurde aber um 31 % unterschritten und von einem kostendeckenden Niveau war dieser Wert weit entfernt. Daher verlangt die österreichische Bauernvertretung schnell wirksame Maßnahmen auf europäischer Ebene, um das Milchangebot zu begrenzen und den Absatz anzukurbeln.

Absatz am Weltmarkt besser
Die Berechnungen des deutschen Informations- und Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft ( "ife ") zeigen erstmals seit Sommer 2008 wieder eine steigende Tendenz für die Verwertung von Milchfett und Milcheiweiß. Erste Preisanstiege konnten auch am sogenannten Spotmarkt für Milch festgestellt werden. Eine leicht verbesserte Absatzsituation am gesamten Weltmarkt wird als mögliche Ursache dafür angesehen. Es wird ebenfalls beobachtet, dass die Interventionsankäufe für Butter rückläufig sind. Weiters konnten Anbieter von Milchprodukten höhere Forderungen für internationale Geschäfte durchsetzen. Auf dem Weltmarkt ist vor allem in Ozeanien ein Preisanstieg zu erkennen. Die Exporte aus Australien und Neuseeland sind bei den meisten Produktgruppen gestiegen; die US- und EU-Exporte sind dagegen meist rückläufig. In der Union wird daher weiterhin von Bauernvertretern eine Ankurbelung der Ausfuhren gefordert.

EU-Milchanlieferung erhöht
Von April (Beginn des neuen Quotenjahres) bis Juni 2009 stieg die Milchanlieferung in der EU-27 um 1,6% auf rund 36 Mio. t. In Deutschland (+8,1 %), Dänemark (+4,8 %), Italien (+3,9 %) und in den Niederlanden (+3,5 %) lag in diesem Zeitraum das Milchaufkommen deutlich über dem Vorjahreswert. In Österreich wurde in diesem Zeitraum um rund 1% mehr Milch angeliefert. Im Juli 2009 wurde allerdings hierzulande laut Erhebungen der AMA das Vorjahresniveau bereits um 1,8 % unterschritten und im August wurde um 1% weniger Milch angeliefert.

Absatz erhöhen
Die Experten sehen die weitere Entwicklung des Milchmarktes in engem Zusammenhang mit der Rohmilchanlieferung. Österreich verfügt diesbezüglich über einen Anteil von 2% der EU-Menge und hat angesichts des rückläufigen Absatzes die geplante Erhöhung der Quote heuer ausgesetzt. Um den Markt tatsächlich spürbar zu entlasten sei ein Aussetzen der Quotenanhebung auf EU-Ebene notwendig, wird betont. Dies wäre auch ein wichtiges Signal für die Milchlieferanten der Union. Gleichzeitig müsse jetzt dringend der Absatz von Milchprodukten forciert werden. Dies könnte durch die (geförderte) Verwendung von Milchpulver in der Tierfütterung erfolgen. Weiters soll die Ernährungswirtschaft wieder vermehrt Milchfett (statt Fett auf pflanzlicher Basis) einsetzen, beispielsweise in der Speiseeiserzeugung. Österreich hat vergangene Woche gemeinsam mit 15 anderen EU-Staaten beim jüngsten Agrarministerrat diese Forderungen an die Kommission gestellt und vor wenigen Tagen beim Informellen Treffen der EU-Landwirtschaftsminister in Schweden erneut auf die Dringlichkeit dieser Maßnahmen hingewiesen. Die aktuell leichten Anzeichen einer Markterholung dürften von der Brüsseler Behörde keineswegs als Vorwand für Inaktivität genommen werden, weil zahlreiche Milchbauern in Europa infolge der extrem niedrigen Erzeugerpreise mittlerweile am Rande der wirtschaftlichen Existenz stünden. (aiz)


Aktualisiert am: 21.09.2009 13:31
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