Erosion (k)ein Problem?!

Der Boden ist das wertvollste Gut der Landwirtschaft. Sowohl Landwirte als auch Berater sind daher gefordert, praxisgerechte Lösungen zur Minimierung der Erosion zu ergreifen und zu entwickeln.
Die Folgen der Bodenerosion werden von der Bevölkerung nicht länger akzeptiert. Mit ihr schwindet nicht nur die Produktionsgrundlage Boden sondern auch das Ansehen der Landwirte.
Die Folgen der Bodenerosion werden von der Bevölkerung nicht länger akzeptiert. Mit ihr schwindet nicht nur die Produktionsgrundlage Boden sondern auch das Ansehen der Landwirte.
Zum 1. Juli 2010 ist gemäß Direktzahlungs-Verpflichtungsgesetz in Deutschland das Erosionsgefährdungskataster einzuführen. Dies führt bei den Landwirten derzeit zu erheblichen Diskussionen. Dabei ist das Thema nicht neu. Schlagzeilen wie „1,6 m hohe Flutwelle überschwemmt Haus – Maisanbau als Ursache“ lassen erkennen, dass die Akzeptanz von Erosionsereignissen in der Bevölkerung drastisch zurückgeht. Überschwemmte Keller und verfüllte Gräben müssen der Vergangenheit angehören. Die fachliche Kompetenz der Landwirte steht unter Beschuss! Solche Signale sollte man aufmerksam registrieren.

Bewirtschaftung beeinflusst Erosion
Dem Landwirt bleibt meist nur übrig, den Bewirtschaftungsfaktor zu beeinflussen. Maßgeblich für diesen Faktor ist der Hackfruchtanteil. Umso höher der Anteil an Reihenkulturen ist, die lange Zeit dem Regenaufprall volle Angriffsfläche bieten, desto höher ist die Erosionsgefahr. Andererseits sind es die Früchte, die dem Landwirt den höchsten Deckungsbeitrag liefern. Als Alternative bleibt, auf den „reinen Tisch“ zu verzichten und organisches Material obenauf liegen zu lassen. Des Weiteren ist ein möglichst raues Saatbett anzustreben, die moderne Technik gestattet es. Scheibensägeräte mit direkt daneben liegenden Tiefenführungsrollen brachten eine elementare Verbesserung der Situation. Speziell bei Starkregen ist aber auch hier die Abfluss-Bremswirkung begrenzt.

Mulchsaat wirkt
Nachdem alle bisher genannten Maßnahmen entweder aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nicht durchführbar oder wenig wirksam sind, hat sich in unserem Gebiet in den letzten 25 Jahren die Mulchsaat als wirksamste Variante des Erosionsschutzes durchgesetzt. Mit einer Bodenbedeckung über den Winter lässt sich die Erosion um den Faktor 10 bis 20 reduzieren! Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass das Bodenmaterial an der Stelle verbleibt, wo es entstanden ist. Bei der konventionell bestellten Fläche macht der Boden bei einem Starkregen oberflächlich schlagartig zu. Deshalb beginnt das Wasser sofort nach unten zu fließen und natürlich entsprechend Material mitzunehmen. Hingegen wird der Regen aufgrund des ausgeprägten Porensystems bei der Mulchsaat schlagartig vom Boden geschluckt, weshalb Erosion erst gar nicht entstehen kann. Damit wird die Mulchsaat zur Idealform des Erosionsschutzes.

Anbau von Hackfrüchten erhalten
Die Landwirte bei uns haben erkannt, dass mit diesem sehr einfachen, minimierten Verfahren die Bodenstruktur massiv gefördert wird. Dies spürt man noch im folgenden Herbst, wo das Pflügen zur Folgekultur wesentlich leichtzügiger geht. Dadurch wird das Wassereindringvermögen verbessert, weshalb es zu keinem Abfluss hangabwärts kommt. Bei Extremniederschlägen hält die flächig obenauf liegende Mulchmasse das Wasser auf. Die ausgeprägte Verbreitung dieser Verfahren hat in unserem Gebiet dazu geführt, dass die Landwirte als Fachleute akzeptiert, die Erosion minimiert und damit der Anbau der betriebswirtschaftlich wichtigen Hackfrüchte erhalten werden kann.

Autor: DI Robert Schnellhammer, Höhere Landbauschule Rotthalmünster (D)


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Aktualisiert am: 02.04.2010 10:54
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