Ernte: Jedes Korn zählt jetzt doppelt

Mit der Verdoppelung der Getreidepreise sind auch die Dreschwerks- und Reinigungsverluste doppelt schmerzlich. Manche Landwirte überlegen, ob man die Druschverluste unter den neuen Preisprämissen nun halbieren sollte. Aber ist das generell richtig?
Mit 1 % Dreschwerks- und Reinigungsverlusten holt man eine gute Leistung aus dem Mähdrescher.
Mit 1 % Dreschwerks- und Reinigungsverlusten holt man eine gute Leistung aus dem Mähdrescher.
Wenn man für eine Tonne Getreide, Raps o.a. mehr Geld bekommt, steigen meist die pflanzenbaulichen Intensitäten, um Höchsterträge zu erzielen. Die eingesetzten Mittel einerseits und die erzielbaren Getreidepreise andererseits zwingen dazu, die Ernte stärker abzusichern. Erntesicherheit heißt in diesem Falle, die Bestände im optimalen Erntefenster qualitätsgerecht, trocken und verlustarm einzubringen. Erntesicherheit hat demnach mit Erntetempo zu tun. Das Erntetempo lässt sich auf zwei Wegen steigern.
Der eine Weg sind arbeitsorganisatorische Maßnahmen, die Zeitverluste im Drusch verringern. Der andere Weg liegt in der Steigerung der Mähdrescherleistung, indem man die Höhe der Dreschwerks- und Reinigungsverluste bewusst steuert.
Man sollte sich jedoch nicht für den einen oder den anderen Weg entscheiden, sondern beide beschreiten. Erst das bringt die vollen Nutzeffekte.

Mit Verlusten Geld verdienen
Während der erste Weg, die Zeiteffizienz zu verbessern, logisch klingt, muss man sich zum zweiten Weg überwinden. Denn hier wird Ertrag in Form von Druschverlusten geopfert, um ein Vielfaches zu gewinnen. Betrachtet man sich die Zusammensetzung der Gesamternteverluste (Tabelle) stellt man fest, dass fast alle Verlustpositionen gesenkt werden können, wenn das Erntetempo erhöht wird. Das betrifft sämtliche Vorernteverluste, wie Knickähren, Ausfall, Qualitäten, Fallzahlen und ebenso sämtliche Nachernteverluste, die bei Trocknung, Lagerung, durch Nährstoffschwund u.a. entstehen. Mit einer leichten Erhöhung der Dreschwerks- und Reinigungsverluste lässt sich die Fahrgeschwindigkeit des Mähdreschers deutlich steigern und das gesamte Verlustgefüge positiv beeinflussen.

1 % Verlust akzeptieren
Ein Richtwert für akzeptable Dreschwerks- und Reinigungsverluste ist 1 %. Bei diesem Verlustniveau arbeitet der Mähdrescher in einen guten Lastbereich. Bei einem zu geringen Verlustniveau ist der Mähdrescher nicht nur unterfordert, es fehlt auch das schützende Strohpolster im Dreschwerk. Der Bruchkornanteil im Bunker steigt an, ebenso der Anteil an Kleinkorn, der ins Schwad geblasen wird. Die vermeintliche Verlustsenkung wird auf diese Weise oft wieder aufgezehrt.
Das richtige Verlustniveau wird für jeden Betrieb anders ausfallen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Überkapazität an Mähdreschern kann 0,5 % Verlust akzeptieren, ein Landwirtschaftsbetrieb mit Unterkapazität an Mähdreschern muss dagegen mindestens 1 % Verlust ansteuern. In den besten Erntestunden kann er auch 1,5 % Verluste akzeptieren, um den so genannten Leistungsberg der Maschine herauszufahren und sich damit viele Folgevorteile zu erkaufen.
Ein halbes Prozent mehr an Schüttler- und Reinigungsverlusten macht bei einem Ertrag von 80 dt/ha und einen Preis von 200 €/t etwa 8 €/ha aus. Das heißt, man lässt 8 € auf dem Hektar liegen, erreicht aber viel höhere Durchsätze, die ein Vielfaches an Verlusten und Kosten einsparen.

Autoren: Andrea FEIFFER, Sonderhausen; Dr. sc. Peter FEIFFER, Nordhausen und Dietrich JÄNICKE, Dörgelin (D)


Autor:
Aktualisiert am: 10.06.2008 11:30

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