Ernährungssicherheit trotz Klimawandel?

2011 bewertete die Kommission für "Nachhaltige Landwirtschaft und Klimawandel " in einer Analyse die bedeutsamsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung unter Berücksichtigung des Klimawandels.
Unser derzeitiges Produktionssystem kann die Ernährungsicherheit nicht gewährleisten - es muss sich etwas ändern.
Unser derzeitiges Produktionssystem kann die Ernährungsicherheit nicht gewährleisten - es muss sich etwas ändern.
Produktion, Verteilung und Verbrauch von Lebensmitteln müssten sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene verändert werden. Dazu bedarf es zusätzlicher Investitionen, Innovationen und gezielter Anstrengungen, mit denen ein globales Nahrungsmittel-System aufgebaut werden kann. Dieses muss sowohl den Klimawandel als auch die Ernährungssicherheit aller Bevölkerungsschichten berücksichtigen, während gleichzeitig Treibhausgasemissionen minimiert und die natürlichen Ressourcen erhalten werden sollen.


Wir dürfen keine Zeit verlieren

Großzügige Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft, einschließlich einer verbesserten Infrastruktur und die Wiederherstellung degradierter Ökosysteme, seien wesentliche Bestandteile der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung. "Je früher diese gesetzt werden, desto größer ist der Nutzen ", betont der britische Kommissions-Vorsitzende John Beddington, der einen Empfehlungskatalog mit hochkarätigen internationalen Wissenschafter aus den Bereichen Agrarwissenschaft, Klimatologie, Ökologie, Ökonomie, Gesundheit und Ernährung erarbeitet hat.


Derzeitiges Produktionssystem kann Ernährungssicherheit nicht gewährleisten 
Gleich zu Beginn des Berichtes betont die Kommission, dass das derzeitig angewandte Produktionssystem in den nächsten Jahrzehnten nicht in der Lage sein wird, die weltweite Nahrungsmittel-Versorgungssicherheit sowie einen nachhaltigen Umweltschutz zu gewährleisten.

Die wesentlichste Aussage der Studie betrifft die Entwicklung sicherer, nachhaltiger Rahmenbedingungen bis 2050 in drei Dimensionen: Dazu zählen die Anpassung des Nahrungsmittelverbrauches, verbunden mit einer massiven Reduktion der Abfälle in der gesamten Produktions-, Vermarktungs- und Verbrauchskette. Zweitens wird eine deutliche Verringerung der durch die Landwirtschaft und Ernährungsindustrie verursachten Umweltemissionen gefordert. Drittens seien entsprechende Anpassungsstrategien wie die Ertragssteigerungen pro Inputeinheit und insgesamt zukunftsträchtige Innovationen und eine deutliche Ausweitung der Gentechnik notwendig.

Langfristige Anpassungsstrategien sind notwendig
Zugleich birgt der globale Klimawandel große Herausforderungen für die Nahrungsmittelproduktion. Ganze Regionen könnten kippen, und für die Lebensmittelerzeugung nicht mehr zur Verfügung stehen. Erschwerend kommt noch dazu, dass gerade die Regionen, die bereits jetzt schon klimatisch benachteiligt sind, am schwersten betroffen sein werden.

Die vielfachen Herausforderungen - das Nachhinken der Nahrungsmittel-Versorgungssicherheit bei einem stetig steigenden Bedarf; Unterernährung; Klimawandel; verschärfter Wettbewerb um Rohstoffe, Wertstoffe, Energie und Wasser; Verlust produktiver Landflächen; Abnahme der Biodiversität - sind eng und in vielfältiger Weise miteinander verbunden und voneinander abhängig.



Großbritannien: "Love Food Hate Waste "


Der Bericht schließt mit mehreren Beispielen von erfolgreichen Bemühungen. Erwähnt werden unter anderem Reformen in der Abfallwirtschaft in Großbritannien: Dabei verpflichtet das Gesetz über die Herausforderung des Klimawandels aus dem Jahr 2008 das Land, die durch die Industrie verursachten Treibhausgasemmissionen bis zum Jahr 2050 um 80% gegenüber 1990 zu senken. Die Ernährungsindustrie rüstet sich bereits zu Taten und will im Zeitraum 2018-2022 jährlich 3 Mio. t Ausstoß an CO2-Äquivalent einsparen. Aufklärungskampagnen für Konsumenten entlang der gesamten Produktions- und Vermarktungskette sollen zum erhofften Erfolg beitragen. Das Schlagwort für die Konsumenten-Sensibilisierung in Großbritannien lautet dabei: "Love Food Hate Waste ".

Die Kommission für "Nachhaltige Landwirtschaft und Klimawandel " wurde vom CGIAR (Consultative Group on International Agricultural Research)-Forschungsprogramm für Klimawandel, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit (CCAFS) mit Unterstützung der Global Donor Plattform für Ländliche Entwicklung (GDPRD) mit dem Ziel gegründet, eine Reihe von klaren und maßgeblichen politischen Empfehlungen zu formulieren. (AIZ)


Aktualisiert am: 05.01.2012 08:39
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