Erfolgreiches Besamungsmanagement beim Schwein

Erfolgreiches Besamungsmanagement beginnt mit der sexuellen Stimulation der Sau im Deckzentrum. Ein optimales Stallklima, das Vermeiden von Stress und letztlich auch die Spermaqualität sind entscheidend für den Besamungserfolg.
Im Deckzentrum soll Lärm und Stress vermieden werden. Helligkeit ist wesentlich für den Besamungserfolg.
Im Deckzentrum soll Lärm und Stress vermieden werden. Helligkeit ist wesentlich für den Besamungserfolg.
Stress und Unruhe während der Stimulationsphase der Sau haben negative Auswirkungen auf die Rausche selbst, das Rauscheverhalten und in weiterer Folge auch auf die Trächtigkeitsrate sowie die Anzahl der geborenen Ferkel. Stress während und nach der Belegung kann zu einer undeutlichen, verkürzten oder gänzlich ausbleibenden Rausche führen. Der oft verwendete Begriff „Stress“ ist vielumfassend und beinhaltet für die Sau eine Reihe an möglichen Störfaktoren. Allgemeine Unruhe im Stall entsteht durch permanentes Umtreiben von Tieren und durch Rangordnungskämpfe. Lautes Öffnen und Schließen von Türen und eine defekte oder schadhafte Aufstallung können die Stimulationsphase ebenfalls negativ beeinflussen. Auch das wiederholte Betätigen des Lichtschalters wird von den Sauen als Störfaktor wahrgenommen.

Störfaktor Lärm
Schweine haben einen ausgeprägten Gehörsinn und können Geräusche in einem dem Menschen ähnlichen Frequenzbereich wahrnehmen. Dieser Sinn dient dem Schwein für die Kommunikation, die Individualerkennung und das Erkennen drohender Gefahren. Letzteres ist der Grund für die Schreckhaftigkeit von Schweinen. Plötzlicher Lärm stellt eine erhebliche Stressbelastung dar. Die gesetzlichen Höchstgrenzen von 85 dBA – dabei ist es nicht mehr möglich, ein Gespräch in normaler Lautstärke zu führen – gilt es in einem Schweinestall deutlich zu unterschreiten.

Das Auslösen des Duldungsreflexes ist Basis für die Besamung.
Das Auslösen des Duldungsreflexes ist Basis für die Besamung.
Temperatur und Beleuchtung
Hohe Temperaturen im Sommer führen in der Laktation und Frühträchtigkeit zu Hitzestress. Daraus resultieren zwei Probleme: Die direkte negative Auswirkung von Hitze auf die Embryonen sowie die verringerte Futteraufnahme in der Laktation und die in weiterer Folge schlechte Konditionierung der Sauen. Optimale Stalltemperaturen für tragende Sauen liegen zwischen 15 und 20 °C. Zu hohe Temperaturen (>29 °C) in der Frühträchtigkeit führen zu einer erhöhten embryonalen Sterberate und damit zum Umrauschen sowie zu kleinen Würfen. Kommt es zur Hitzeeinwirkung in den letzten zwei Wochen vor der Abferkelung, steigt der Anteil tot geborener Ferkel und verzögerter Geburten an. Rechtzeitig vor Hitzeperioden müssen Lüftungssysteme auf ihre Funktionstauglichkeit überprüft werden.
Licht hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Hormonproduktion der Sau und somit auf ihr Rauscheverhalten. Durch den „Lichtreiz“ werden gewisse Gehirnbereiche (Hypothalamus, Hypophyse), die für die Bildung der Geschlechtshormone GnRH, FSH und LH verantwortlich sind, zusätzlich angeregt. Achtung: Lichtprogramme sollten nicht mit einer Dauerbeleuchtung über 24 Stunden verwechselt werden. Dies hat den gegenteiligen Effekt und führt zu Stresssituationen.

Autor: Dr. Thomas VOGLMAYR, Traunkreis Vet Clinic, Ried im Traunkreis

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Aktualisiert am: 26.10.2011 16:13
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