Energiekosten: So sparen Sie Strom und Geld

Das Einsparungspotenzial der Energiekosten ist trotz des geringen Anteils an den gesamten Produktionskosten enorm und relativ einfach zu erreichen. Dazu ist es aber notwendig, die Ansatzstellen im Betrieb zu kennen.
Beim Einzelbetrieb muss sich der Betriebsleiter daher im Klaren sein, in welchen Bereichen des Betriebes wie viel Energie gebraucht wird.
Beim Einzelbetrieb muss sich der Betriebsleiter daher im Klaren sein, in welchen Bereichen des Betriebes wie viel Energie gebraucht wird.
Die Kosten für Strom machen zwar nur einen geringen Teil ­– etwa 2 bis 4 % – der Produktionskosten aus, subjektiv werden die Stromkosten aber sehr viel höher eingeschätzt. Trotzdem ist es ökonomisch sinnvoll innerhalb des Betriebes nach Optimierungspotenzial zu suchen, um die Energiekosten insgesamt zu senken. Ob sich durch verschiedene Maßnahmen die Energiekosten tatsächlich senken lassen, hängt aber von vielen einzelbetrieblichen Faktoren ab, und muss individuell für jeden Betrieb kalkuliert werden.

Analyse der Stromanwendung
Grundsätzlich wird in unseren Ställen Energie in Form von Strom für den Betrieb von Motoren oder Beleuchtung benötigt. Die Eigenstromerzeugung spielt nur bei wenigen Betrieben mit Kraftwärmekopplungsanlagen eine Rolle. Die Spielräume bei der Beschaffung des Stromes sind sehr eng und beschränken sich auf die Auswahl des Anbieters und die Art des Tarifes. Die Netznutzungskosten sind im Bereich der Niederspannung weitgehend unabhängig vom Verbrauchsverhalten. Die Besonderheiten des Strombezuges durch die Landwirtschaft werden nicht in den Netznutzungsentgelten berücksichtigt. Nur große landwirtschaftliche Betriebe werden als Sondervertragskunden behandelt und können so auch Einsparungspotenzial durch Veränderung des Verbrauchsverhaltens erschließen. Vor diesem Hintergrund sind die größten Einspareffekte in der genauen Analyse und Bewertung der Stromanwendung zu finden.

Lüftungsanlage als Hauptverbraucher
Der Stromverbrauch der Lüftungsanlage ist mit einem Anteil von fast zwei Dritteln am Gesamtstromverbrauch beteiligt. Doch nicht nur der reine Stromverbrauch wird durch die Lüftungsanlage beeinflusst, sondern durch falsche Einstellung der Solltemperatur, der notwendigen Mindestluftrate oder durch eine schlechte Abstimmung zwischen Anfangstemperatur, Heizung und Solltemperatur kann eine überhöhte Luftrate zu zusätzlichen Wärmeverlus­ten führen. Wird zum Beispiel statt der notwendigen Mindestluftrate in einem Ferkelaufzuchtstall mit 8 Abteilen und 200 Ferkeln pro Abteil die Luftrate nur um rund 0,8 m³/h je Tier erhöht (entspricht einer Erhöhung von rund 20 % der Mindestluftrate) und wird diese erhöhte Luftrate nur über einen Zeitraum von rund 10 % der Jahresstunden gefahren, bedeutet dies einen Mehrverbrauch von rund 1.000 l Heizöl im Laufe des Jahres. Es kommt also darauf an, die Luftrate zu fördern, die notwendig ist, um eine optimale Stallluftqualität zu erreichen.

Infrarotstrahler sind teuer
Gerade in der Aufzucht von Jungtieren wird Strom zu Heizzwecken verwendet. Elektrische Infrarotstrahler tragen dabei erheblich zu erhöhten Energiekosten bei. Ein 150 Watt-Strahler verbraucht am Tag 3,6 kWh Strom. Dies entspricht bei einem Strompreis von 15 Cent/kWh rund 54 Cent pro Tag. Bei zum Beispiel 20 Einsatztagen pro Wurf in der Ferkelerzeugung macht das schon mehr als 1 Euro pro Ferkel aus. Deshalb sollten Elektrostrahler nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie unbedingt notwendig sind. Der Einspareffekt von Sparschaltern ist lange nicht so hoch wie häufig vermutet. Zwar verringert sich die Leistungsaufnahme der Lampe, doch setzt die eingebaute Spule viel Strom direkt in Wärme um. Aus diesem Grunde haben sich für die Heizung der Ferkelnester Fußbodenheizungen durchgesetzt. Doch auch zwischen elektrisch oder Warmwasser-betriebenen Ferkelnestern bestehen erhebliche Unterschiede bei den Energiekosten.

Autor: DI Bernhard FELLER, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster (D)


Aktualisiert am: 21.12.2009 10:06
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