Energieholz wird interessanter

Steigende Betriebsmittelkosten senken die Deckungsbeiträge der gängigen Ackerkulturen und stärken extensive Kulturen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Das macht Weide und Pappel im Kurzumtrieb für die Energieproduktion interessant.
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Italienische Pappel im zweiten Wuchsjahr, Juni 2008
Italienische Pappel im zweiten Wuchsjahr, Juni 2008
in wesentliches Argument gegen rasch wachsende Gehölze in Form des Kurzumtriebes waren bis jetzt höhere Deckungsbeiträge in etablierten Ackerkulturen, wie Mais und Getreide. Seit wir allerdings seit zwei Jahren stark steigende Preise bei den Betriebsmitteln sehen -bei Kali und Phosphor haben sich die Preise beinahe vervierfacht-, hat sich die Situation bedeutend geändert. Sollten die Erzeugerpreise für Getreide oder Mais in den nächsten Jahren auf gleichem oder niedrigerem Niveau verharren, dann können die höheren Erzeugerkosten, wie Dünger, Saatgut und bei Mais auch die stark gestiegenen Trocknungskosten, nur noch bei hohen Erträgen gedeckt werden. Andernfalls ist der Anbau extensiv zu führender Kulturen wieder lukrativer.

Neue Sorten versprechen große Ertragszuwächse
Im Wesentlichen versprechen Pappelsorten in Österreich höhere Erträge als Weide. Sollte die Überlegung in Richtung fünfjährigen Umtrieb gehen, dann kommt ohnehin nur die baumartige Pappel im Gegensatz zur strauchartigen Weide in Frage. Sehr gute Erfahrungen machen wir bei unseren Sortenversuchen mit italienischen Pappelsorten, zumal in Italien schon seit den 80iger Jahren eine intensive Züchtung stattfindet. In kühlen Gebieten ist die Lage noch unklar, ob es nicht günstiger wäre auf die Weide auszuweichen. Auf staunassen Lagen sollte auf alle Fälle Weide eingeplant werden.
Da die Züchtung bei Pappel und Weide laufend gute Fortschritte macht, sollte die Nutzungsdauer sinnvollerweise auf zehn Jahre beschränkt bleiben, um den Züchtungsfortschritt zu nutzen. Mit modernen Pappelsorten lassen sich auf Standorten mit ausreichender Wasser- und Luftversorgung Erträge zwischen 20 und 25 t atro je Hektar und Jahr erreichen. Im Gegensatz dazu erreichen Weidensorten maximal 16 t atro je Hektar und Jahr.

Das Wichtigste in Kürze
Die hohen Produktionskosten sprechen, sofern die Erzeugerpreise darauf nicht entsprechend reagieren, verstärkt für extensive Kulturen, wie die Erzeugung von Energieholz aus dem Kurzumtrieb. Primär kommen dafür in Österreich Pappel und Weide in Frage. Die verstärkte Nachfrage nach erneuerbarer Energie, nicht nur im energetischen, sondern auch im stofflichen Bereich (Papierindustrie) und in weiterer Folge für Treibstoffe der zweiten Generation, welche auch auf ligninreichen Rohstoffen basieren, machen die Kurzumtriebwaldanlage immer interessanter. Auf sogenannten Grenzstandorten - schottrig, steil, staunass - oder Ausgleichsflächen, wie Bahndämme, Straßenbegleitvegetation oder ehemalige Schotterabbau- oder Bergbaugebiete, lohnt sich der Kurzumtrieb. Je nach Nutzung, ob eigene Verwertung oder Vertragsanbau, werden die Pflanzenanzahl und die Umtriebsdauer gewählt.

Autor: Dr. Karl MAYER, Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark


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Aktualisiert am: 21.08.2008 16:59
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