Emmi erwartet Umsatzrückgang

Niedrigere Rohstoffpreise, angespannte Stimmung der Verbraucher und Wechselkursentwicklung sind wohl die Gründe für einen erwarteten Umsatzrückgang von 5 Prozent beim größten schweizer Milchverarbeitungsunternehmen.
Das größte schweizer Molkereiunternehmen, Emmi, muss im Jahr eins nach der Quotenabschaffung mit einem Umsatzrückgang von 5% rechnen.
Das größte schweizer Molkereiunternehmen, Emmi, muss im Jahr eins nach der Quotenabschaffung mit einem Umsatzrückgang von 5% rechnen.
Im „Jahr eins“ der Befreiung des Schweizer Milchmarktes von der Quotenregulierung erwartet der größte Milchverarbeiter, Emmi, 2009 einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr von rund 5%. Das Unternehmen aus Luzern begründet diese Prognose mit niedrigeren Rohstoffpreisen, einer angespannten Stimmung der Verbraucher und Wechselkursentwicklungen.

Umsatzzuwachs im Ausland konnte Verlust nicht ausgleichen
Das Gros der Umsatzeinbußen entfällt auf das zweite Halbjahr, denn in der ersten Jahreshälfte musste Emmi gemäß den Anfang September vorgelegten Zahlen lediglich einen Umsatzrückgang von 0,7% auf 1,28Mrd sfr (836Mio Euro) hinnehmen. Dabei konnte ein Zuwachs auf den internationalen Märkten ein Minus auf dem Schweizer Heimatmarkt nicht ganz ausgleichen. Maßgeblich für den Umsatzzuwachs im Ausland war laut Unternehmensangaben die im Januar 2009 vollzogene Übernahme von Roth Käse in den Vereinigten Staaten. Beim Export von Käse musste Emmi hingegen einen deutlichen Rückgang von 10,9% hinnehmen.

Optimistisch für den Frischkäsemarkt
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sieht sich Emmi insgesamt „gut auf Kurs“. Der Umsatzrückgang auf dem Schweizer Markt sei im ersten Halbjahr geringer als erwartet ausgefallen. Das Käsegeschäft habe sich mit einem Umsatzplus von 7,2% auf 430,8Mio sfr (284,2Mio Euro) trotz des anhaltend hohen Preisdrucks und vor dem Hintergrund der generellen Entwicklung auf dem Käsemarkt zufrieden stellend entwickelt. Insgesamt positiv beurteilt Emmi auch die Entwicklung auf dem Frischkäsemarkt im ersten Halbjahr 2009. Trotz zunehmenden Importdrucks infolge der europäischen Marktöffnung sei der Einfuhranteil in einem wachsenden Markt nur leicht gestiegen, so das Unternehmen mit Blick auf den Schweizer Markt. Emmi ist traditionell stark im Export von Premiumerzeugnissen und hat sich neben Käse stark mit Frischeprodukten profiliert.

Schlüsselmarkt Deutschland
Bei Frischeprodukten verbuchte Emmi im ersten Halbjahr 2009 mengenmäßig ein Absatzplus von 4,3%. Zum Volumenwachstum beitragen konnte dem Unternehmen zufolge der gute Start ins Jahr 2009 mit Swiss Müesli in Deutschland. Zufrieden zeigte sich der Konzern auch mit den von nationalen Marketingkampagnen begleiteten Markenkonzepte „Toni Jogurts“ sowie „Emmi Energy Milk“. Als Marketing-Schwerpunkte für das zweite Halbjahr 2009 nennt Emmi den Ausbau der erfolgreichen Kaltbach-Linie mit einer weiteren Käsesorte, eine Fondue-Offensive in den Niederlanden, die Vermarktung von Schmelzkäse in Rundschachteln als „Swiss Originals“ unter dem Markennamen Emmi auf den internationalen Märkten sowie die Lancierung von „Caffè Latte Zero“ als Milchkaffee ohne Zuckerzusatz im Schlüsselmarkt Deutschland. Außerdem soll ein innovatives Konzept für den Dessertbereich eingeführt werden.

Milchpreis nur noch knapp über 40 Cent
Die Pläne Emmis spielen sich vor dem Hintergrund der Marktliberalisierung in der Schweiz ab. Seit Jahresanfang sind weitere Schranken im Handel mit der EU gefallen; seit Mai dieses Jahres sind die letzten Quotenbeschränkungen aufgehoben. Die in der Schweiz angelieferte Milchmenge blieb im Mai und Juni 2009 mit insgesamt 1,775Mio kg gegenüber den Vorjahresmonaten weitgehend konstant. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass viele Milcherzeuger, die schon vor Mai 2009 freiwillig aus der Quote ausstiegen, in den letzten beiden Jahren in neue Ställe investierten und der Expansionsdrang der Erzeuger erst einmal gesättigt ist. Nach wie vor produzieren die Schweizer Bauern nach Brancheneinschätzung aber zuviel Milch. Das zeigt sich auch an der Preisentwicklung. So wurde bei Emmi der Erzeugerpreis zum 1. Juli 2009 laut Angaben eines Unternehmenssprechers noch einmal um 8Rappen (5,3Cent) zurückgenommen, nachdem bereits zum 1. Januar eine Kürzung in gleicher Höhe vorgenommen worden war. Dagegen hatten sich die Auszahlungspreise großer Molkereien in der Europäischen Union im Juli zumeist gefestigt. Man bewege sich bei Emmi nun „ungefähr auf dem Niveau“ des Schweizer Richtpreises von 61,6Rappen (40,6Cent) bei einem Fettgehalt von 4,2% Fett und einem Eiweißanteil von 3,5%, erklärte der Sprecher des größten Schweizer Milchverarbeitungsunternehmens. (AgE)


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Aktualisiert am: 15.09.2009 22:00
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