Eltern: Mütterzickenterror - mein Kind ist besser als deins!

Kaum hat eine Frau ihr erstes Kind zur Welt gebracht, lernt sie eine besondere Spezies ihrer Geschlechtsgenossinnen kennen: Frauen, die einen Kampf gegen ihresgleichen führen - die Mütterzicken. Sie „ziehen um die Ecke“ (ursprüngliche Bedeutung von Zicke) und führen Terror („Schrecken“) gegen andere Mütter.
Jeder freut sich über seine Kindheit und ist stolz auf seine Fähigkeiten und Talente. Das aber ständig kundzutun und dabei andere Kinder abzuwerten wirkt ungut und nervend.
Jeder freut sich über seine Kindheit und ist stolz auf seine Fähigkeiten und Talente. Das aber ständig kundzutun und dabei andere Kinder abzuwerten wirkt ungut und nervend.
Auf der Babystation fängt es an: Größe, Gewicht und Schönheit der Babys wird verglichen. Sogar über Trinkmengen anderer Babys führen sie insgeheim Buch.
Das kann für junge Mütter sehr belastend sein. Ich erinnere mich wie ich mich nach der Geburt unseres ersten Sohnes ernstlich sorgte, weil er laut einer „erfahrenen Mutter“ – wie sie sich selbst bezeichnete - zu groß sei und zu viel Muttermilch trank. Zwei Jahre später meinte meine Zimmergenossin auf der Wochenbettstation beim Betrachten meines zu früh geborenen zweiten Sohnes: „Ihr Kind ist zu klein und trinkt zu wenig! Aus ihm kann doch nichts werden!“
Nach dem Babyalter geht der Konkurrenzkampf weiter. Am Spielplatz, in der Kindergartengarderobe, am Elternabend, beim Verwandtentreffen und im Freundeskreis wird fleißig verglichen, angegeben und auch kräftig aufgeschnitten.

Versteckte Unsicherheit
Warum übertreiben Eltern so gerne, wenn sie von ihrem Nachwuchs erzählen? Oft steckt die eigene Unsicherheit dahinter. Die größten Angeber sind bekanntlich meist die unsichersten Menschen! Hinter der Fassade der Supermutter oder des tollsten Vaters verbergen sich oft ängstliche Fragen: Wird mein Kind im Leben bestehen? Wie schneidet es im Vergleich zu den anderen ab? Fördere ich meinen Sohn oder meine Tochter genügend? Bin ich eine gute Mutter oder ein guter Vater?
In der Gegenwart dieser prahlenden Eltern, die stets versuchen den eigenen Nachwuchs in ein gutes Licht zu rücken, fühlen sich andere Eltern meist nicht wohl. Auch dahinter steckt Unsicherheit, der ähnliche Fragen zugrunde liegen. Scheinbare Supermütter und –väter lassen die Kinder anderer klein und unfähig wirken. Das möchte man als Mutter eines niedriger eingestuften Kindes unbedingt verhindern und bekämpfen. Es wird zur Verteidigung angesetzt: „Die Tochter meiner Freundin saß auch erst mit zehn Monaten!“ „Meine Tochter hat nur wegen dieses unmöglichen Mathelehrers ein weniger gutes Zeugnis.“ Und ehe man sich versieht, ist ein Schlagabtausch über das eigene, in Wirklichkeit doch auch so unglaublich tolle Kind im Gange.
Wie können Mütter sich gegen diesen Terror wehren? Soweit es möglich ist, sollte man aus Selbstschutz den Kontakt zu Mütterzicken meiden. Doch das ist nicht immer möglich, da es kaum eine Gruppe oder Schulklasse gibt, in der diese Spezies nicht vorkommt.

Befreiter Umgang
Mütter dürfen und müssen sich nicht von scheinbaren Übermüttern den (Klein)kinderalltag verderben lassen. Dieser ist nämlich anstrengend genug. Abwarten und Tee trinken ist ein wirksames Mittel gegen Mütterzickenterror. Es ist besser Kontakt zu wohl gesinnten Müttern zu suchen, die ihre Kinder als nichts Außergewöhnliches betrachten und mit ihnen Tee oder Kaffee zu trinken während die Kinder miteinander spielen. Dabei merken alle Beteiligten rasch: Jedes Kind hat seine Stärken und auch seine Schwächen. Gemeinsame Freude über Erfolge und auch gemeinsames Durchtragen durch schwierige Phasen lässt Freundschaften unter Kindern und auch zwischen den Müttern entstehen, die ein Leben lang halten oder zumindest die Kinderjahre überdauern. In solch einem Umfeld ist Mütterzickenterror kein Thema, denn niemand möchte diese Freundschaft aufs Spiel setzen, die diese Lebensphase für Mütter und Kinder leichter lebbar macht.

Autorin: Roswitha WURM, Wien


Aktualisiert am: 06.05.2010 14:19
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