Eiermarkt im Umbruch

Der europäische Eiermarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Mit dem Anfang 2009 in Kraft getretenen Verbot der Käfighaltung von Legehennen hat Österreich eine Vorreiterrolle in der EU inne.
In Österreich liegt der Eierverbrauch bei 236 Stück pro Kopf und Jahr.
In Österreich liegt der Eierverbrauch bei 236 Stück pro Kopf und Jahr.
Die heimischen Landwirte haben große Investitionen getätigt, um dem Wunsch der Konsumenten nach Eiern aus alternativen Haltungssystemen nachzukommen. Dennoch ist der Selbstversorgungsgrad durch die Umstellung von 77 % im Jahr 2008 auf unter 70 % gesunken. "Es wird noch einige Zeit dauern, um annähernd das alte Niveau wieder zu erreichen", so Benjamin Guggenberger, Geschäftsführer der EZG Frischei.

Käfighaltung verboten
"Seit 01.01.2009 ist in Österreich die Legehennenhaltung in Käfigen verboten. Damit ist die Alpenrepublik Vorreiter innerhalb der EU. Nun zieht das übrige Europa langsam nach. Dadurch ergeben sich neue Marktchancen für die heimischen Frischeiererzeuger", erläuterte Guggenberger. In Deutschland sei die herkömmliche Käfighaltung seit Anfang 2010 verboten. Die Nachwirkungen dieser Umstellung seien auch in Österreich spürbar. "Die Niederlande haben auf den Wandel in Europa reagiert und bereits frühzeitig einen Teil ihrer Legehennen auf Alternativhaltung umgestellt. Der Rest der EU soll 2012 folgen. Der totale Ausstieg aus der Käfighaltung ist allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt noch mehr als fraglich", gab der Geschäftsführer zu bedenken.

Bodenhaltung ist Gewinner der Umstellung
Die jährliche Erhebung der RollAMA zeigt in Bezug auf die Bedeutung der Haltungsformen deutlich, dass die Umstellung auf alternative Haltungsformen in Österreich sowohl mengen- als auch wertmäßig vor allem einen Gewinner hervorgebracht hat: die Bodenhaltung hat die Käfighaltung ersetzt. Freiland- und Bioeier hingegen haben Marktanteile verloren. Die Gründe sind im preislichen Bereich zu suchen.

Wie viele Eier werden in Österreich verzehrt?
"In Österreich werden jährlich insgesamt etwa 2 Mrd. Eier verbraucht, das sind 236 Stück pro Kopf. Mehr als ein Viertel des Bedarfes wird importiert - insbesondere von Verarbeitern und der Gastronomie. Im Jahr 2009 wurden im heimischen Handel rund 709 Mio. Eier im Wert von rund 166 Mio. Euro gekauft. Davon entfallen rund 50 Mio. allein auf die Tage rund um Ostern. Etwa 30 Mio. davon werden bereits vorgekocht erstanden", informierte Mikinovic. 79 % aller Eier werden über den Lebensmitteleinzelhandel bezogen, die restlichen 21 % über alternative Vertriebsquellen.
68 % der im Handel gekauften Eier sind aus Bodenhaltung, gefolgt von Freilandeiern mit 21 % und Bioeiern mit 11 %.
68 % der im Handel gekauften Eier sind aus Bodenhaltung, gefolgt von Freilandeiern mit 21 % und Bioeiern mit 11 %.
"Seit dem Käfigverbot für Legehennen werden im Lebensmittelhandel mittlerweile kaum mehr Eier aus Käfighaltung angeboten, was darauf schließen lässt, dass der Handel zu einem großen Teil auf heimische Produktion zurückgreift. Die mengenmäßig größte Gruppe mit 68 % Anteil sind Eier aus Bodenhaltung, gefolgt von Freilandeiern mit 21 % und Bioeiern mit 11 %", ergänzte Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing. Aufgrund der unterschiedlichen Preise seien die wertmäßigen Marktanteile mit 58 % Bodenhaltung, 25 % Freilandeiern und 17 % Bioeiern deutlich anders als die Mengenanteile.

Eierpreise leicht gesunken
Der Durchschnittspreis für eine Packung mit 10 Eiern (Bodenhaltung) fiel zwischen 2008 und 2009 von 2,08 auf 2,06 Euro. Im Segment der Freilandeier ist in diesem Zeitraum der deutlichste Preisrückgang zu verzeichnen (3,12 auf 2,96 Euro). Bioeier hingegen konnten von 3,69 auf 3,71 Euro sogar leicht zulegen.

AMA-Gütesiegel seit April 2009 auch für Eiprodukte
In Österreich gibt es vier größere Eiaufschlagwerke, in denen jährlich rund 200 Mio. Stück zu flüssigen Eiprodukten (pasteurisiertes Vollei, Eigelb, Eiklar usw.) verarbeitet werden. Immer mehr Lebensmittelproduzenten wie Bäckereien, Konditoreien und Nudelproduzenten stellen aufgrund der praktischen Verarbeitung und der größeren Sicherheit vor Salmonellen in diese Richtung um. Seit April 2009 ist eine eigene AMA-Gütesiegel-Richtlinie für Eiprodukte in Kraft. Erzeugnisse mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel müssen zu 100 % aus österreichischen Eiern aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung hergestellt werden. Zusätzlich ist eine durchgängige Kühlkette zu gewährleisten und die Eiprodukte müssen naturbelassen bleiben (kein Farbstoff usw.). Verpflichtend gefordert sind auch eine schonende Pasteurisierung und die Homogenisierung der Produkte. Durch jährliche Betriebskontrollen und Produktanalysen werden die Kriterien abgesichert.
Ein Graubereich in Bezug auf die Herkunft von Eiern waren bislang die Verarbeitungsprodukte und die Gastronomie. Immerhin werden ungefähr 60 % aller im Inland verwendeten Eier in diesen Bereichen verarbeitet. "In der Gastronomie wird in Betrieben, die mit dem AMA-Gastrosiegel ausgezeichnet sind, die Herkunft der verwendeten Eier transparent. Wir bieten damit für fast alle Bereiche eine Ursprungssicherung für Eier an", unterstrich Mikinovic. Der Konsument solle auf einen Blick erkennen können, ob etwa für Nudeln oder Mehlspeisen Eier aus Alternativhaltung oder Käfigeier verwendet wurden. Nur so sei es für ihn möglich, sich bewusst für eine tiergerechte Haltungsform zu entscheiden.


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Aktualisiert am: 30.03.2010 15:53
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