Ebermast-Versuch: Ergebnisse von Haus Düsse

Auf Haus Düsse wurden in einem umfangreichen Versuch zahlreiche Fragestellungen rund um die Ebermast bearbeitet. Ausprobiert wurden auch verschiedene Futtervarianten, nämlich neben einer Standardfuttermischung auch proteinreduziertes Futter und Mischungen mit höherem Lysingehalt.
Dazu wurden 133 Eber in Kleingruppen und zum Vergleich 37 Sauen in separaten Buchten aufgestallt. Zusätzlich wurden 81 Eber in Einzelhaltung untersucht. Bei den Ebern erfolgte die Schlachtung je zur Hälfte mit einem Schlachtgewicht von etwa 86 kg bzw. mit etwa 95 kg, bei den Sauen mit rund 97 kg. Neben Mast- und Schlachtleistungen wurden auch Androstenon- und Skatolgehalte in Nackenspeckproben von Ebern erfasst. Androstenon und Skatol sind Stoffe, die mit der Bildung des unerwünschten Ebergeruchs in Verbindung stehen.

Die Ergebnisse in Kürze:

  • Die Eber im Versuch weisen durchgängig höhere Tageszunahmen auf als die weiblichen Tiere. An das mittlere Leistungsniveau der Kastraten im jüngsten Warentest reichen sie jedoch nicht heran.
  • Der Muskelfleischanteil und die Fleischfläche der Sauen sind deutlich größer. Trotz höherer Futterkosten und längerer Mast reichen ihre besseren Schlachterlöse daher aus, um eine bessere Wirtschaftlichkeit zu erzielen als die Eber.
  • Die Futterverwertung der Eber ist gut, wird jedoch mit steigendem Schlachtgewicht zunehmend schlechter. Die Rückenspeckdicke bleibt niedrig. Anhand der Autofom-Ergebnisse lässt sich für Eber vorläufig ein Schlachtgewicht von etwa 95 kg empfehlen, wobei zu beachten ist, dass die zugrunde liegenden Berechnungsverfahren noch auf Zerlegungen von Sauen und Kastraten beruhen.
  • Eine Verknappung des Futters im Hinblick auf die Proteinqualität führt zu Leistungseinbußen bei den Zunahmen, bei der Futterverwertung und bei der Schlachtkörperbewertung.
  • Eine Verbesserung des Futters verbessert dagegen tendenziell die Zunahmen und die Futterverwertung. Die Schlachtkörpermerkmale werden geringfügig besser. Daher rechnen sich die aufgewerteten Futter, obwohl sie teurer sind.
  • Früher wurde Fleisch bei über 0,5 G Androstenon je g Fett als „genussuntauglich“ eingestuft. Dieser Grenzwert existiert nicht mehr. Ebenso wenig wie der Richtwert von maximal 250 ng Skatol je g Fett. Aktuell schreibt das EU-Recht lediglich vor, Fleisch mit „ausgeprägtem Geschlechtsgeruch“ zu verwerfen. Bewertete man nach den früheren Schwellenwerten, würden nur 32 % der untersuchten Schlachtkörper als unbedenklich eingestuft. Wie ausgeprägt der Geschlechtsgeruch jedoch in den einzelnen Proben tatsächlich ist, erfordert sensorische Tests. Fest steht nur: Weder eine Alters- noch eine Gewichtsbegrenzung kann Analysewerte garantieren, die unter den früheren Schwellenwerten liegen, wie Dr. Friedhelm Adam von der Landwirtschaftskammer NRW berichtet.



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Aktualisiert am: 19.10.2009 09:43
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