Ebermast: Futterverwertung besser – Ausschlachtung schlechter

Hält die Ebermast, was sie verspricht? In einem Versuch überprüfte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (D) an Hand einer Prüfung auf Station, ob Eber wirklich höhere Tageszunahmen, eine bessere Futterverwertung und einen höheren Magerfleischanteil haben.
Dabei wurden je 26 Eber und Kastrate mit einem Lebendgewicht von rund 102 kg geschlachtet (Schlachtgewicht 80 kg), die übrigen 52 Eber und Kastrate wurden auf 115 kg Lebengewicht ausgemästet (Schlachtgewicht 90 kg). Das Ergebnis: Bei sehr hohen Tageszunahmen von 1032 bis 1065 g konnten zwischen Eber- und Kastratenmast keine Unterschiede in den Tagezunahmen festgestellt werden. „Höhere tägliche Zunahmen von Ebern deuteten sich nur bei den höheren Mastendgewichten an. Dagegen war die Futterverwertung der Eber sowohl bei niedrigem als auch bei höherem Mastendgewicht um 0,23 bzw. 0,30 statistisch gesichert besser.“

Ausschlachtung bei Ebern schlechter als bei Kastraten

Die Ausschlachtung war bei den Ebern geringer. Das spricht nicht für die Ebermast, denn „bei gleichem Mastendgewicht bedeutet das 1,2 bis 2,7 kg auszahlungsrelevantes Schlachtgewicht weniger!“ Statistisch absicherbar waren dagegen die höheren Magerfleischanteile bei der Schlachtung mit 115 kg Lebengewicht. Da der Magerfleischanteil nach „Bonner Formel“ mit den für Kastraten und Sauen ermittelten Werten berechnet wird, müsste diese Formel bei Ebermast an deren Körperzusammensetzung angepasst werden. Eber setzen weniger Fett an, was an sich positiv zu bewerten ist. Allerdings ist der intramuskuläre Fettanteil mit 0,87 bis 1,22 % sehr niedrig; das wirkt sich negativ auf die Sensorik aus. Dem stehen niedrigere Tropfsaftverluste als bei der Kastratenmast gegenüber.

Praxisreife Methode zur Erkennung der Schlachtkörper mit Ebergeruch fehlt

Der Ebergeruch wurde subjektiv von unterwiesenen Laien beurteilt. Dabei bestätigte sich, dass dieser Geruch individuell sehr verschieden wahrgenommen wird. Einige Tester reagierten selbst auf Kastraten. „Sehr interessant sind die Ergebnisse der Geruchsbeurteilung der Eberproben bei Auswertung nach Schlachtgewicht: Unsere Daten ergaben keinerlei Unterschiede in der Geruchsbewertung zwischen den 80 und 90 kg schweren Ebern.“ Die subjektive Erfassungsmethode sollte hier nicht außer Acht gelassen werden. In der Praxis wäre eine sichere Erfassung der Schlachtkörper mit Ebergeruch notwendig. Die Vorteile der Ebermast fallen generell kleiner aus als gemeinhin vermutet und treten erst bei höheren Mastendgewichten zu Tage.

(Quelle: „Kastrate und Eber auf dem Prüfstand“ von Dr. Heiko Janssen, in Land & Forst 30/09, S. 48 - 49)


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Aktualisiert am: 26.08.2009 21:01
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