Ebermast – erste Praxisergebnisse

Die Tage der betäubungslosen Kastration scheinen gezählt. Neben dem Einsatz von Schmerzmitteln wird die Ebermast vor allem in Deutschland als Alternative ins Spiel gebracht. Erste Erfahrungen gibt es bereits.
Eber zeichnen sich durch eine bessere Futterverwertung und einen geringeren Fettgehalt aus. Mit höheren Zunahmen als bei Kastraten ist nicht unbedingt zu rechnen.
Eber zeichnen sich durch eine bessere Futterverwertung und einen geringeren Fettgehalt aus. Mit höheren Zunahmen als bei Kastraten ist nicht unbedingt zu rechnen.
In die Leistungsprüfanstalt Rohrsen (D) wurden insgesamt 104 Tiere der gleichen Genetik in 2 Gruppen (Gruppe 1: Kastrate; Gruppe 2: Eber) eingestallt und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Nutztiergenetik des FLI in Mariensee geprüft. Jeweils die Hälfte der Tiere je Gruppe wurde bei Erreichen von 80 kg Schlachtgewicht (ca. 102 kg LG) und die andere Hälfte je Gruppe bei Erreichen von 90 kg Schlachtgewicht (ca. 115 kg LG) geschlachtet.

Bessere Futterverwertung
Mit 1032 bis 1065 g im Merkmal tägliche Lebendmassezunahme wurde von allen Tieren ein sehr hohes Niveau erreicht. Allerdings waren die Differenzen zwischen den Kastraten und Ebern statistisch nicht abzusichern. Eine höhere tägl. Zunahme von Ebern deutete sich nur bei höheren Mastendgewichten an. Dagegen war die Futterverwertung der Eber sowohl bei niedrigem als auch höherem Mastendgewicht um 0,23 bzw. 0,30 statistisch gesichert besser.
Nach einheitlicher Nüchterung aller Schlachttiere hatten die Eber jedoch um 1,2 bis 2,3 %-Punkte niedrigere Ausschlachtungen. Das bedeutet bei gleichem Mastendgewicht 1,2 bis 2,7 kg auszahlungsrelevantes Schlachtgewicht weniger bei den Ebern.

Klassifizierung überdenken
Die Eber wiesen in beiden Varianten höhere Magerfleischanteile als die Kastraten auf, wobei nur die Differenz von 2,3 %-Punkten beim höheren Mastendgewicht statistisch signifikant war. Beim Vergleich des MFA ist zu bedenken, dass dieser für alle Schlachtkörper einheitlich nach Bonner Formel berechnet wurde. Diese ist aber rein auf Datenbasis von Kastraten und Sauschweinen erstellt worden, und es ist bekannt, dass die Körperzusammensetzung von Ebern hiervon abweicht. Würde die Ebermast in die konventionelle Produktion einziehen, so wäre eine Anpassung der Formel unbedingt erforderlich.
Eber setzen nicht mehr Muskelmasse, sondern bei gleicher Muskelmasse deutlich weniger Fett an. Dieser Vorteil der Eber beim MFA wird umso deutlicher, je höher das Mastendgewicht liegt. Nachteilig ist dies allerdings beim Intramuskulären Fettgehalt (IMF).

Geruchsbewertung unterschiedlich
Die Ergebnisse der Geruchsbewertung der Bauchspeckproben als prozentuale Häufigkeit der Notenvergabe aller Prüfer zeigt Abbildung 2, getrennt für Kastrate und Eber. Die gestrichelte Linie beschreibt, wie unterschiedlich die Bewertung der einzelnen Prüfer war. Diese Bewertungen unterstreichen die vielfach beschriebene, individuell sehr unterschiedliche Wahrnehmung von Ebergeruch. Im Mittel wurden 60 % der Eber-Proben, aber auch 20 % der Kastraten-Proben mit den Noten 3 (leicht unangenehm) bzw. 4 bewertet! Diese Werte liegen deutlich höher als in anderen bekannten Untersuchungen, besonders für die Kastraten. Eine Begründung für die unerwartet hohen Häufigkeiten auffälliger Proben könnte zum Teil die Methode der subjektiven Beurteilung mit unterwiesenen Laien sein. Zu bedenken ist aber, dass dies der Situation in den Haushalten sehr nahe kommt. Sehr interessant sind die Ergebnisse der Geruchsbeurteilung der Eberproben bei Auswertung nach Schlachtgewicht. Entgegen meist anders lautenden Ergebnissen ergaben unsere Daten keinerlei Unterschiede in der Geruchsbewertung zwischen den 80 und 90 kg schweren Ebern.

Autor: Heiko JANSSEN, Landwirtschaftskammer Niedersachsen (D)


Aktualisiert am: 04.11.2009 15:28
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