Eberfleisch – Konsumenten denken um

Eberfleisch wird in Österreich grundsätzlich negativ bewertet- eine vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) durchgeführte Blindverkostung von Eber Rohwürsten und herkömmlichen Schweineprodukten bringt überraschend positive Ergebnisse.
Eberfleisch könnte eine langfristige Alternative in der Lebensmittelwirtschaft sein.
Eberfleisch könnte eine langfristige Alternative in der Lebensmittelwirtschaft sein.
Jährlich werden in der EU rund 100 Millionen Schweine- weibliche Tiere oder Kastraten- geschlachtet, etwa 5,5 Millionen davon in Österreich. Mit Ausnahmen wie England werden praktisch 100 % der männlichen Mastschweine innerhalb der ersten sieben Lebenstage ohne Schmerzeliminierung kastriert. Grundlage der erlaubten Kastration ohne Betäubung ist der wissenschaftlich längst überholte Standpunkt, dass sehr junge Tiere noch keine ausgereifte Schmerzwahrnehmung hätten. Eberfleisch wird in Österreich grundsätzlich negativ bewertet. Eine vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) durchgeführte Blindverkostung von Eber Rohwürsten und herkömmlichen Schweineprodukten brachte überraschende Ergebnisse.

Diskussion: Ebermast
Die Ebermast (Mast von unkastrierten männlichen Schweinen) ist die tiergerechteste Alternative, die in etlichen europäischen Ländern bereits Realität geworden ist. Bauernorganisationen in Ländern mit hohem Ferkelkastrationsanteil, so auch Österreich, stehen der Ebermast meist skeptisch gegenüber. Erkenntnisse aus Großbritannien und Griechenland zeigen, dass die Produktion und Vermarktung durchaus mit Erfolg, wenn auch mit einem höheren Organisationsaufwand durchgeführt wird. Die häufige Ablehnung durch Standesvertretungen basiert wohl auf der Annahme, dass den Konsumenten die Eberprodukte nicht schmecken, sowie auf dem erhöhten organisatorischen Aufwand bei der Beurteilung des Fleisches zur Erkennung von eventuell geruchsbelasteten Ebern sowie der Befürchtung von Komplikationen in der Gruppenhaltung. Die positiven Verkostungsergebnisse von FiBL Österreich können die Befürchtungen, dass den österreichischen Konsumenten Eberfleischprodukte nicht schmecken, widerlegen. Zudem kann Fleisch von geruchsbelasteten Ebern durch eine Kochprobe relativ einfach erkannt werden. Die Forschung um eine vollautomatische, in den Schlachtbetrieb integrierte elektronische Nase zur Erkennung von geruchsbelastetem Eberfleisch, befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Darüber hinaus kann der zum Teil bei geschlechtsreifen Tieren auftretende Ebergeruch durch gezieltes Management, Zucht, Rassenauswahl, Fütterung und Beachtung der Saison beeinflusst werden. Erfahrungen von Kagfreiland zeigen sogar, dass der Anteil geruchsbelasteter Eber meist unter 10 % liegt.

Autorin: DI Gwendolyn RUDOLPH, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich)


Aktualisiert am: 28.07.2009 16:16
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