EU will Energie aus Biomasse bis 2010 mindestens verdoppeln

Die Pläne der EU bezüglich Biomasseeinsatz sind ambitioniert. Neben einer sauberen Umwelt sollen auch 300.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum geschaffen werden. Ob aber die Konsumenten mitmachen?
Der heimische Rohstoff Holz bietet noch viele Nutzungspotenziale
Der heimische Rohstoff Holz bietet noch viele Nutzungspotenziale
Bis 2010 soll der Biomasseeinsatz zur Erzeugung von Wärme, Strom und Treibstoffen in der EU mehr als verdoppelt werden. Dies verlangt die EU-Kommission im kürzlich vorgelegten Biomasse-Aktionsplan von den Mitgliedsstaaten. Konkret soll der Anteil der Biomasse am Energiebedarf der EU von derzeit vier auf neun Prozent im Jahr 2010 erhöht werden.

Dieser Aktionsplan bedeutet für die Steiermark, dass 65.000 Wohnungen von Öl und Gas auf Holz (Hackschnitzel, Pellets, Scheitholz) und Solaranlagen umgestellt werden müssen, in Österreich 500.000. Weiters muss die Ökostromerzeugung vorangetrieben werden.

Die Umsetzung des Biomasse-Aktionsplans in allen 25 Mitgliedsstaaten bis 2010 stellt die Weichen in eine unabhängige Energiezukunft in Europa. Die konkreten Vorteile:
·Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten (Öl und Gas) von derzeit 48 Prozent auf 42 Prozent
·Schaffung von 250.000 bis 300.000 Arbeitsplätzen überwiegend im ländlichen Raum
·Verringerung der Treibhausgasemissionen um jährlich 209 Millionen Tonnen
·Ausbau der europäischen Technologieführerschaft im Bioenergiebereich. Österreich ist heute schon Weltmarktführer bei Bioenergietechnologien
·Steigerung des Anteils erneuerbarer Energieträger von derzeit rund 6 Prozent auf rund 11 Prozent im Jahr 2010.

Know-how Transfer der steirischen Landwirtschaftskammer nach Süd- und Osteuropa
Für die Umsetzung des Biomasse-Aktionsplans ist ein europaweiter Wissensaustausch notwendig, da viele Mitgliedsländer, insbesondere die neuen Länder noch Aufholbedarf haben. Die steirische Landwirtschaftskammer koordiniert ein internationales Projekt, bei dem steirisches Bioenergie-Know-how nach Italien, Rumänien, Slowenien und in die Slowakei vermittelt wird. Startschuss für dieses Know-how-Projekt fällt heute bei einer ersten internationalen Arbeitssitzung in der Landwirtschaftskammer. Acht Spitzenvertreter der Projektpartner sind dazu in die Steiermark gereist. Die Partner aus Italien und Slowenien sind vor allem an steirischen Modellen zur komfortablen Wärmeversorgung von öffentlichen Gebäuden und Geschosswohnbauten durch bäuerliche Betreibergruppen interessiert. Für die Partner aus Rumänien und der Slowakei ist der steirische Weg zur Biodieselproduktion und die Biogaserzeugung durch Landwirte für die Stromherstellung von besonderem Interesse.



Informationskampagne für Land- und Forstwirte. Fachtagung am 2. Februar in Graz
Der steigende Biomassebedarf stellt auch eine große Herausforderung für die Land- und Forstwirtschaft dar. Es gilt, die enormen Holzressourcen im bäuerlichen Kleinwald zu mobilisieren und die Produktion von Energiepflanzen auf Ackerland zu forcieren. Die EU-Kommission will mit einer eigenen Informationskampagne für die Bauern die Produktion von Energiepflanzen und die verstärkte Bereitstellung forstlicher Biomasse ankurbeln. Aber auch die Landwirtschaftskammer Steiermark setzt konkrete Maßnahmen und beleuchtet bei einer Fachtagung am 2. Februar in Graz, die Produktion von Wärme, Strom und Treibstoffen aus Biomasse.


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Aktualisiert am: 08.02.2006 08:47
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