EU harmonisiert Pflanzenschutzmittel-Höchstwerte

Am kommenden Montag treten in Europa für viele Lebensmittel einheitliche Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel in Kraft. Der deutsche Industrieverband Agrar (IVA) begrüßte diese Harmonisierung, da sie den Handel innerhalb der EU erleichtert, wie IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler feststellt. Zudem schaffen die einheitlichen Höchstgrenzen seiner Meinung nach mehr Transparenz und sorgen für ein gleichermaßen hohes Sicherheitsniveau in allen Mitgliedstaaten. Wenig positiv sehen die Neuerung hingegen manche Umweltorganisationen.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßt die Harmonisierung der Rückstandshöchstgehalte grundsätzlich als richtigen ersten Schritt, einheitliche Bedingungen im Binnenmarkt zu schaffen. Allerdings hätte sich der Verband eine noch weitergehende Angleichung innerhalb der EU gewünscht, wie DBV-Sprecher Michael Lohse gegenüber Dow Jones News erklärte. Denn er hält die in den EU-Vorgaben vorgesehene Aufteilung in verschiedene regionale Anbauzonen, in denen mehrere Länder zusammengefasst werden, im Sinne einer vollständigen Harmonisierung nicht für sinnvoll. Eine noch größere Einheitlichkeit sei aber bislang noch nicht durchzusetzen gewesen, stellte Lohse fest. Bislang sind die meisten Rückstandshöchstgehalte von den EU-Mitgliedstaaten in eigener Verantwortung festgesetzt worden. So kamen unterschiedliche Grenzwerte zustande, sodass häufig Waren, die im Erzeugerland den Vorschriften entsprachen, in Nachbarländern die dort erlaubten Höchstgehalte durchaus überschreiten konnten.

Wie der IVA erläuterte, sind die gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte keine gesundheitsrelevanten Grenzwerte. Vielmehr liegen sie nach Angaben des Industrieverbandes weit unterhalb einer Konzentration, die für Menschen als sicher gilt. Die Höchstgehalte geben demnach nur an, wie viel Wirkstoff in oder auf der ungeschälten Frucht bei der Ernte höchstens vorhanden sein darf.

Nach den neuen EU-Vorgaben können die ab dem 01.09. gültigen Höchstgehalte in den einzelnen Mitgliedstaaten sowohl niedriger als auch höher ausfallen als die bisherigen nationalen Höchstgehalte. Das liege an den unterschiedlichen Bedingungen in den Mitgliedsländern, so Koch-Achelpöhler. Alle neuen Grenzwerte seien jedoch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gemeinsam mit den nationalen Behörden umfassend geprüft worden, hob der Hauptgeschäftsführer hervor. Daher hält er Lebensmittel in Europa für sicher wie zuvor. Auch änderten die neuen Höchstgehalte nichts an den bestehenden Anwendungsvorschriften für Pflanzenschutzmittel, fügte er hinzu. Insofern dürfe nicht anders oder mehr gespritzt werden als bisher.

Eine Umweltorganisation befürchtet hingegen, dass durch die europäische Vereinheitlichung der Pestizid-Höchstmengen stärker belastetes Obst und Gemüse auf die Märkte gelangen könnte. Die Organisation verweist dazu auf eine gemeinsame aktuelle Studie mit einer anderen NGO, der zufolge viele der künftig EU-weit geltenden Höchstmengen zu hoch sein sollen. Insbesondere das Zusammenwirken mehrerer Substanzen sei zu berücksichtigen, warnten die Organisationen.

(AIZ)


Aktualisiert am: 10.09.2008 20:40
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