EU-Milchwirtschaft laut Experten derzeit im Gleichgewicht

Für 2011 können, laut Experten, stabile Preise am EU-Milchmarkt erwartet werden. Auch die Interventionsmaßnahmen haben funktioniert und in Zukunft werde die EU nicht mehr aktiv in den Markt eingreifen, sondern nur noch regulierend wirken.
Experten malen den Milchmarkt für das kommende Wirtschaftsjahr in einem sehr positiven Licht: stabile Preise und Gleichgewicht.
Experten malen den Milchmarkt für das kommende Wirtschaftsjahr in einem sehr positiven Licht: stabile Preise und Gleichgewicht.
"Die Verhältnisse in der Milchwirtschaft sind sowohl in Deutschland als auch in Europa ins Gleichgewicht gekommen, und die Entwicklung beim Absatz zeigt nach oben. Wir befinden uns auf einem Deregulierungskurs, auf dem die Marktabsicherung und -steuerung einem Sicherheitsnetz weicht", dies erklärte Theodor Seegers, Leiter der Abteilung Ländliche Entwicklung des deutschen Landwirtschaftsministeriums, anlässlich des 2. Berliner Milchforums.

BRD unterliefert Quote
Die deutsche Milchwirtschaft erziele mittlerweile auf allen Wertschöpfungsstufen höhere Erlöse. Die weltweite Angebotssituation werde von starken Klimaschwankungen wie der Dürre in Australien, Naturkatastrophen wie dem jüngsten Erdbeben in Japan, der unsicheren politischen Lage in Nordafrika, aber auch durch Wechselkurseffekte und den weltweit steigenden Bedarf an Lebensmitteln geprägt. "Zwar wird die Milchanlieferung in der BRD heuer im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren wieder deutlich steigen, aber dennoch unterhalb der von der EU festgelegten Milchquote bleiben", wie Seegers laut Dow Jones News ausführte.

Derzeit gute Bedingungen in der BRD
Diesen Ausblick bestätigte auch der Vorsitzende des Milchindustrieverbandes, Karl-Heinz Engel: "2011 erwarten wir stabile Preise", betonte er. Die Milchwirtschaft sehe sich in der BRD guten Bedingungen gegenüber, nicht zuletzt aufgrund des weltweit wachsenden Marktes. In den Gesprächen zwischen den einzelnen Branchenverbänden sei davon die Rede gewesen, dass der Milchpreis in diesem Jahr um 1 bis 2 Cent je kg über dem Vorjahr liegen könnte, obwohl solche Prognosen auch schnell wieder von der Realität überholt werden könnten, schränkte Engel ein.

Kein aktives Eingreifen mehr
Mit Blick auf die weitere Marktsituation bei der Milch erklärte Seegers: "Die Auslagerung von Butterbeständen aus der Intervention ist nahezu abgeschlossen - hier hat die EU gutes Geld verdient." Auch beim Milchpulver befinde sich die EU auf einem guten Weg. Die Europäische Kommission solle künftig weniger aktiv steuernd in den Milchmarkt eingreifen, sondern nur einen wettbewerblichen Rahmen bilden, der die Erzeuger aber dennoch davor bewahre, "hart am Boden aufzuschlagen".
Preisvolatilität durch Warenterminbörsen einschränken
Dass die Preisvolatilität an den globalen Rohstoffmärkten weiter steigen und damit auch vor der Milch nicht Halt machen wird, wollte der Vertreter des Agrarressorts aber nicht verneinen. Deshalb müsse die Branche von Warenterminbörsen Gebrauch machen, ähnlich wie in Neuseeland, wo dieses Instrument viel stärker genutzt werde. Seegers begrüßte ausdrücklich die Bildung von Erzeugergemeinschaften, wie im EU-Milchpaket vorgesehen. Dieses erlaube die Erfassung von 5 Mrd. kg Milch durch solche Vereinigungen in Deutschland.

Sicherheitsnetz hat funktioniert
Von einem intakten europäischen Milchmarkt berichtete auch Hermanus Versteijlen, Agrarmarktdirektor in der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission. "Wir können heute auf den Weltmarkt gehen, ohne dass wir Exporterstattungen brauchen", erklärte Versteijlen. Das Sicherheitsnetz am Milchmarkt habe während des konjunkturellen Einbruchs 2008 und 2009 durch die Interventionskäufe gegriffen. In den meisten Mitgliedstaaten würden die Quotenpreise - wie im EU-Milchpaket vorgesehen - zurückgehen, mit Ausnahme der Niederlande und Zypern, sodass sich die Union insgesamt auf dem Weg zur "sanften Landung" befinde, meinte Versteijlen. Das EU-Gesetzgebungsverfahren sei nun soweit, dass man hoffen könne, das Milchpaket bis Ende Juli 2011 im Europäischen Parlament zu verabschieden. (AIZ)

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Aktualisiert am: 23.03.2011 11:13
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