EMB: schlechte Aussichten für europäische Milchbauern

Die europäischen Milcherzeuger schauen am heutigen Weltmilchtag äußerst skeptisch auf die Verkündung der HLGM Ergebnisse Ende Juni. Das teilte das EMB gestern in einer Pressekonferenz mit. Die hochrangige Expertengruppe für Milch sei bis jetzt ohne wirksame Antworten auf die Belange der europäischen Milcherzeuger.
Das EMB sieht die Arbeit der EU-High Level Expertengruppe zur Milch als gescheitert.
Das EMB sieht die Arbeit der EU-High Level Expertengruppe zur Milch als gescheitert.
Auch für den Weltmilchtag sehen die Perspektiven für die Überwindung der chronischen Krise am Milchmarkt sehr düster aus. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Vorschläge, die die EU High Level Expertengruppe zur Milch (HLGM) Ende Juni präsentieren wird, nicht geeignet sind, die Einkommen der Milcherzeuger und eine qualitativ hochwertige Milchproduktion in Europa zu sichern. Das teilte das European Milk Board (EMB) bei einer Pressekonferenz gestern in Brüssel mit.

Nüchterne Bilanz
„Die Bilanz ist nüchtern“, so Romuald Schaber, Präsident des EMB: „Drei Anhörungen, eine Milchkonferenz - jeweils zu einschränkenden Fragestellungen, die keine offene Diskussion alternativer Instrumente erlaubten – so sieht die sogenannte konstruktive Zusammenarbeit der EU-Kommission mit den Akteuren des Milchmarktes in der Realität aus.“ Das EMB hatte darüber hinaus immer wieder die konstruktive Mitarbeit des Verbandes an der Erarbeitung von Lösungswegen für den Milchsektor angeboten.

HLGM ohne Gesamtkonzept
Unter den Diskussionspunkten, die die HLGM im Rahmen der erwähnten Milchkonferenz Ende März aufzählte, waren alte Maßnahmen wie die Intervention und die Zahlung von Betriebsprämien. Außerdem eine verbesserte Transparenz, Terminmärkte als Spielwiese der Spekulanten, Direktverträge zwischen Milcherzeugern und Milchindustrie und die Schaffung von Ausnahmeregelungen für Milcherzeuger im Kartellrecht. Die einzelnen Maßnahmen erscheinen nicht wie Bestandteile eines Gesamtkonzeptes sondern wie lose Elemente, die eingesetzt werden könnten. Romuald Schaber dazu: „Für die europäischen Milcherzeuger wurde nicht deutlich, wie diese Instrumente konkret zu einer Stärkung der Position der Milchproduzenten am Milchmarkt und damit zu einer Milcherzeugung, die auch in Zukunft in allen Regionen Europa lebt, beitragen soll.“

Mengen auf Ebene der Produktion steuern
Dass für die Krise am Milchmarkt wirksame Instrumente zum Einsatz kommen, ist neben den europäischen Milcherzeugern auch wichtig für die Verbraucher, unsere Umwelt, den Tierschutz und Bäuerinnen und Bauern aus den Entwicklungsländern. Für faire Erzeugereinkommen, die auch einen fairen Handel weltweit ermöglichen, plädiert Kerstin Lanje als Vertreterin der Entwicklungsorganisation Misereor in der Pressekonferenz in Brüssel. Die Vizepräsidentin des EMB, Sieta van Keimpema, äußert sich zur zukünftigen Gestaltung des EU-Milchmarktes folgendermaßen: „Aus Sicht unserer Mitgliedsverbände in 14 Ländern Europas muss im Zentrum einer Milchpolitik folgendes Ziel stehen: eine Stärkung der Erzeuger durch die Erweiterung ihrer Möglichkeiten, sich zusammenzuschließen und die Milchmengen auf der Ebene der Produktion zu steuern.“ Hierzu braucht es in der Tat eine Änderung im Kartellrecht und außerdem die Festsetzung der Allgemeinverbindlichkeit der Entscheidungen der europäischen Erzeugergemeinschaft. Ziel muss eine Erzeugung von Milch sein, die qualitativ hochwertig ist und zu kostendeckenden Preisen im Wesentlichen innerhalb von Europa verkauft werden kann.

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Aktualisiert am: 01.06.2010 15:08
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