Düngung und Pflanzenschutz im Raps im Frühjahr 2009

Mit Beginn der Vegetation beginnt die Zeit der intensiven Bestandsführung bei Raps. Was wann wie zu machen ist, wird im folgenden Beitrag zusammengefasst.
Um möglichst viele Verzweigungen/Pflanze zu erreichen und aufgetretene Pflanzenverluste zu kompensieren, muss das Längenwachstum des Sprosses rechtzeitig gebremst werden.
Um möglichst viele Verzweigungen/Pflanze zu erreichen und aufgetretene Pflanzenverluste zu kompensieren, muss das Längenwachstum des Sprosses rechtzeitig gebremst werden.
Die Entwicklung des Rapses im Herbst 2008 war in den meisten Regionen nahezu optimal, wenn die Aussaat bis zum 4. September abgeschlossen war. Zu Vegetationsende Mitte November hatten die Rapspflanzen in der Regel das 8-10-Blatt Stadium erreicht, selten waren Bestände zu dieser Zeit erst im 6-Blatt-Stadium. Überwachsene, weil zu stark mit Stickstoff oder Gülle versorgte Bestände waren eher die Ausnahme.

Streckung
Kommt die Vegetation in diesem Jahr erst mit Beginn des Langtages Ende März (> 12 h Tagelicht) voll in Gang, wird den weit entwickelten Beständen nicht mehr viel Zeit für den Blattaufbau bleiben, da die Streckung des Sprosses maßgeblich von der Tageslänge bestimmt wird. Aufgrund des geringeren Tageslängenanspruches der heutigen 00-Sorten beginnt der Raps bereits ab Ende März mit der Streckung, wenn er wenigstens 12 Blätter/Pflanze gebildet hat (dazu zählen auch die abgefallenen Blätter).

Was bedeutet das für die N-Düngung?
Je später die Vegetation in Gang kommt, um so eher kann die erste und zweite N-Gabe zusammengefasst werden. Dabei ist zu beachten, dass nicht mehr als 30 kg/ha NO3-N (Nitrat-Stickstoff) mit der Düngung ausgebracht werden, um zum einen die Nitratkonzentration in der Pflanze gering zu halten (Vermeidung von Stängelrissen durch Spätfröste) und, um zum anderen Nitratverluste zu verhindern, die nach stärkerem Regen besonders auf leichten Böden auftreten können.
Höhere N-Gesamt-Mengen sollten – sofern zulässig – ausschließlich mit Ammonium (NH4) haltigem Stickstoff (Harnstoff, Piamon S, Alzon) und nur auf Böden mit mehr als 6 % Tongehalt ausgebracht werden.
Die übliche Teilung der N-Gaben ist dagegen angebracht, wenn die Vegetation bereits Anfang März einsetzt und generell auf den besseren Standorten mit hoher N-Mineralisation.

Düngung in die Blüte
Die N-Düngung für die Kornbildung wird bis zum Knospenstadium über den Boden oder über das Blatt in Teilgaben von 15 bis 25 kg/ha N als AHL oder Harnstoff in die frühe Knospe und in die Blüte gedüngt. Um Verätzungen zu vermeiden, sollte im Knospenstadium in der Spritzbrühe das Verhältnis AHL:Wasser wenigstens 1:4, in der Blüte 1:6 betragen (z.B. 40 l AHL +160 l Wasser im Knospenstadium bzw. 40 l AHL + 240 l Wasser zur Blüte). Wird zusätzlich Bittersalz eingesetzt, sollten 10 kg Bittersalz wie 10 l AHL mit Wasser gemischt werden (50 l AHL +10 kg Bittersalz + 180 bzw. 300 l Wasser).

Fazit
 Die Regeneration des durch den Frost geschädigten Rapses erfordert eine frühzeitige Startgabe.
 Bei der Höhe der Startgabe müssen die Blattverluste berücksichtigt werden.
 Um den Verzweigungsansatz zu sichern, ist der frühzeitige Einsatz von Azolen ins Kalkül zu ziehen.
 Mit Schäden durch den Rapsglanzkäfer ist zu rechnen, wenn dieser massiv bereits vor der Rapsblüte einfliegt.
 Die Blattdüngung mit Bor (300 bis 400 g/ha) zusammen mit den ersten Pflanzenschutzmaßnahmen sollte als Standard gelten.
 Auf Standorten mit knapper P-Versorgung ist eine Blattdüngung mit NP-Düngern im Knospenstadium angebracht.

Autoren: Gesche de VRIES und Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, NU Agrar GmbH Schackenthal (D)


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Aktualisiert am: 04.02.2009 16:41
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