Direktvermarktung: Strenge Auflagen und niedrige Freibetragsgrenze als Erschwernis

Die Lebens- und Arbeitssituation der direktvermarktenden Bäuerinnen in Österreich war Thema einer Podiumsdiskussion Mittwochabend im Palais Dietrichstein, zu der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek anlässlich des heutigen Internationalen Tages der Landfrauen geladen hatte.
Die Direktvermarktung ist mit ihren strengen Auflagen für viele Betriebe nicht mehr interessant.
Die Direktvermarktung ist mit ihren strengen Auflagen für viele Betriebe nicht mehr interessant.
Dabei kristallisierten sich zwei zentrale Hindernisse für die Direktvermarkter heraus. Die anwesenden Bäuerinnen sahen insbesondere die hohe Auflagendichte und die damit einhergehenden strikten Aufzeichnungserfordernisse sowie die niedrige Freibetragsgrenze für die sozialversicherungsrechtlichen Abgaben als Hindernisse bei der Vermarktung ihrer Produkte. Dabei wird sich jedoch laut Gerhard Wlodkowski und Bundesbäuerin Anna Höllerer nicht viel ändern. Beide sehen die Hygienevorschriften als Absicherung gegenüber Vermarkter und Konsument. Für die Direktvermarkter spricht, dass sie gegenüber dem Handel bessere Möglichkeiten hätten, den Geschmack ihrer Waren im Preis auszudrücken.
Im Bezug auf die Freibetragsgrenze ist die Chance auf eine Verbesserung verschwindet gering. Denn das Geld wird wiederum für die finanzielle Absicherung der sozialen Standards genützt. Im Gegenzug dazu, wünscht sich Höllerer für die Bäuerinnen, die sich in der Direktvermarktung sehr engagieren, noch mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Etwa ein Drittel der heimischen bäuerlichen Betriebe verkauft seine Lebensmittel ab Hof, auf Bauernmärkten oder in -läden. In 41% ist die Frau hauptverantwortlich für die Direktvermarktung. Laut einer Umfrage von Bio Austria aus dem Jahr 2007 erwägt jeder dritte Betrieb diesen Einkommenszweig aufzugeben. Vor allem die strengen Auflagen baulicher Art und für die Lebensmittelhygiene seien ein großes Problem, erklärte Elisabeth Hofer-Falkinger, Biobäuerin und Direktvermarkterin aus dem Mühlviertel. Für Kleinbetriebe, wie sie in Österreich überwiegend zu finden sind, seien die Aufzeichnungspflichten "völlig überzogen ".


Aktualisiert am: 20.10.2009 15:46
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