Direktvermarktung: Chance genutzt

Direktvermarktung ist für Rosi und Alois Schreiner eine Chance, ihren Betrieb im Vollerwerb zu führen. Mit Speck hat alles begonnen.
Rosi und Alois Schreiner sind erfolgreiche Direktvermarkter. Mit Speck hat alles begonnen.
Rosi und Alois Schreiner sind erfolgreiche Direktvermarkter. Mit Speck hat alles begonnen.
Wer wissen will, warum Rosi und Alois Schreiner heute Direktvermarkter sind, muss mit den beiden Innviertlern zurück in die frühen 1990er-Jahre. Rosi und Alois waren damals Mitte 20. Rosi schmunzelt: „Das war eine kinderreiche Zeit bei uns und unseren Freunden.“ Entsprechend oft wurde der Nachwuchs auch gefeiert. Dabei stellte sich heraus, dass Jause und Speck beim Wastlbauer – so der Hofnahme des Betriebs Schreiner – außergewöhnlich gut waren. Die ersten Speck-Kunden waren gefunden.

Heute kommen jedes zweite Wochenende 40 bis 50 Kunden zum Wastlbauer. Zwei Mal im Monat ist Verkaufwochenende für Frischfleisch vom Schwein, alle zwei Monate gibt es auch Rindfleisch. Rosi ergänzt: „An Verkaufstagen mit Rindfleisch kommen bis zu 140 Kunden, da geht es rund.“ Die beiden Innviertler bewirtschaften 30 ha Acker, 8,5 ha Wiesen und 7 ha Wald. Der konventionelle Betrieb liegt in Rainbach bei Schärding (Oberösterreich). Zwischen der ersten Idee und der professionellen Direktvermarktung lagen mehr als zehn Jahre. Rosi: „Wir hatten das Glück, dass wir hineinwachsen durften. Damals waren die Regelungen für Direktvermarkter noch nicht so streng und wir mussten nicht gleich investieren.“

Ein Wirtschaftsgebäude mit böhmischem Gewölbe wurde zum Verkaufsraum umgebaut.
Ein Wirtschaftsgebäude mit böhmischem Gewölbe wurde zum Verkaufsraum umgebaut.
Direktvermarktung mit Rind- und Schweinefleisch
Dennoch, nach zehn Jahren „Versuchsphase“ entschieden sich die beiden, Zeit und Geld in die Direktvermarktung zu investieren. Alois gab seinen außerlandwirtschaftlichen Beruf auf und die beiden bauten einen Rindermast- (30 Plätze) und Schweinemaststall (350 Mastplätze). Aus der ehemaligen Milchkammer wurde ein Schlacht- und Zerlegeraum. In ein Wirtschaftsgebäude mit böhmischem Gewölbe wurde ein 60 m² großer Verkaufsraum und daran anschließend ein 80 m² großer Verarbeitungsraum samt Kühlzellen gebaut. Alois: „Wir haben viel davon selbst machen können, sodass die Investitionskosten in die Direktvermarktung mit 150.000 Euro überschaubar blieben.“ Zwischen 120 und 140 Schweine schlachten Alois und Rosi pro Jahr für die eigene Direktvermarktung.
Am „Wastlbauer“-Hof der Familie Schreiner leben vier Generationen unter einem Dach.
Am „Wastlbauer“-Hof der Familie Schreiner leben vier Generationen unter einem Dach.
Fünf bis sechs Schweine werden für ein Verkaufswochenende geschlachtet und verarbeitet. Alois: „Dass wir das auf unserem Hof machen, ist unseren Kunden wichtig. Der Transport zum Schlachthof kann Stress verursachen, was sich auf die Fleischqualität auswirkt.“ Alle zwei Monate verkaufen Rosi und Alois auch Rindfleisch. Dazu werden zwei Mastrinder in einem nahe gelegenen Schlachthaus geschlachtet und zerlegt. Rosi: „Wir haben das Gefühl, dass unseren Kunden die Regionalität bei Rindfleisch sehr wichtig ist. Direktvermarkter, die Rindfleisch anbieten, gibt es nicht so viele in der Region.“

Speck ist Nummer 1
Die am häufigsten nachgefragten Produkte seien laut Rosi Speck, Edelteile vom Rind, Edelteile vom Schwein und Jausenplatten. „Gerade die Jausen- und Buffetplatten werden immer häufiger bestellt, weil sie zum Beispiel für Familienfeiern praktisch sind.“
Besonders stolz sind die beiden auf die vielen Prämierungen der letzten Jahre. Zuletzt wurden Rosi und Alois mit dem „Speckkaiser“ in Gold ausgezeichnet. Die beeindruckende Liste an Prämierungen kann man auf der Internetseite von Gutes vom Bauernhof einsehen. Der Betrieb Schreiner ist einer von 1.700 Gutes vom Bauernhof-Qualitätsbetrieben. Mit dieser Marke unterstützt die Landwirtschaftskammer Österreich die bäuerlichen Direktvermarkter.

Lesen Sie die gesamte Reportage sowie ein Interview zum Thema Direktvermarktung in der LANDWIRT Ausgabe 5/2018Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft Ausgabe 5/2018 (solange der Vorrat reicht)

Aktualisiert am: 21.02.2018 21:12