Direktvermarkter mit neuen Aufzeichnungspflichten

Mit 1. Jänner 2007 sind auf Grund des Betrugsbekämpfungsgesetzes wesentliche Änderungen der Bundesabgabenordnung mit einem ganz klaren Ziel in Kraft getreten: Die Wirksamkeit von Betriebsprüfungen der Finanz zu erhöhen. Das hat Auswirkungen auf die Aufzeichnungspflicht in der Direktvermarktung.
Die Form, wie Bareinnahmen einzeln aufgezeichnet werden, bleibt dem Betrieb überlassen.
Die Form, wie Bareinnahmen einzeln aufgezeichnet werden, bleibt dem Betrieb überlassen.
Auf Grund einer Übergangsregelung hatten die betroffenen Betriebe ein Jahr Zeit, sich auf die neuen Bestimmungen einzustellen und entsprechende organisatorische Maßnahmen zu treffen. Sind aber die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, so müssen seit Beginn dieses Jahres die neuen Aufzeichnungspflichten eingehalten werden!

Worum geht es?
Bisher mussten Bareinnahmen und Barausgaben täglich bloß in geeigneter Weise festgehalten werden. Dies konnte beispielsweise mit Rechnungsdurchschriften, Kontrollstreifen von Registrierkassen, aber durchaus auch mittels Kassasturz erfolgen. Beim Kassasturz wird die Tageslosung durch Rückrechnung aus dem gezählten Kassa-Endbestand und dem Anfangsbestand ermittelt. Bei dieser vereinfachten Losungsermittlung werden die Betriebseinnahmen nicht einzeln erfasst.
Auch die klassische Strichliste war bisher zulässig und bot Detailinformationen über die verkauften Produkte, es wurde aber nicht der Betrag des einzelnen Verkaufs dokumentiert.
Nun müssen die Bareinnahmen einzeln aufgezeichnet werden und die Strichliste stellt den einzelnen Geschäftsvorfall dar und ist somit ein taugliches Mittel, um den gesetzlichen Verpflichtungen zu entsprechen.
Bedeutet dies nun das Ende des Kassasturzes, der gerade bei Direktvermarktern auf Bauernmärkten und Marktständen sehr beliebt ist? Nicht generell, denn der Gesetzgeber hat Ausnahmen geschaffen für Betriebe mit geringen Umsätzen bzw. für jene Fälle, in denen es unzumutbar ist, die Bareinnahmen einzeln aufzuzeichnen.

Fazit
Es empfiehlt sich für Direktvermarkter, anhand ihres Umsatzes zu prüfen, ob sie weiterhin zum Kassasturz berechtigt sind.
Weiters ist zu hinterfragen, ob nach Art und Umstand, wie die Einnahmen erzielt werden, die "Kalte-Hände-Regelung" zutrifft.
Wird eine elektronische Registrierkasse eingesetzt, so sollte auch sicher gestellt sein, dass das Journal der Bareingänge exportiert werden kann. Auch die gesetzliche Aufbewahrungsfrist ist in diesem Zusammenhang zu beachten.

Autor: Mag. Thomas ERNST, LBG Wirtschaftstreuhand Österreich


Aktualisiert am: 24.04.2008 15:21
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