„Differenzierung bedeutet Bauerneinkommen“

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Differenzierung und Exportmärkte sind die Strategien in der Vermarktung von Bio-Rindfleisch. Das meint Hermann Mittermayr, Geschäftsführer der Bio Austria Marketing GmbH. Der Herbst bringt nochmal mehr Angebot.
Hermann Mittermayr, Geschäftsführer der Bio Austria Marketing GmbH, im LANDWIRT-Interview. Foto: Goldberger
Hermann Mittermayr, Geschäftsführer der Bio Austria Marketing GmbH, im LANDWIRT-Interview. Foto: Goldberger
LANDWIRT: Ist der Bio-Rindfleischmarkt gesättigt?

Hermann Mittermayr: Nein, das würde ich nicht sagen. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren stetig nach oben entwickelt, wir hatten Steigerungsraten zwischen 6 und 12 Prozent. Nur letztes Jahr war die Steigerung geringer, aber dafür gibt es Gründe.

Welche?

Im vergangenen Jahr ist extrem preiswertes, konventionelles Rinderfaschiertes gelistet worden. Das spürt man im Absatz, weil das der stärkste Artikel beim Bio-Rindfleisch ist. 2005 hat Hofer damit begonnen. Das hat die Bio-Rindfleischkalkulation bei Ochsen und Kalbinnen reformiert und die Basis gelegt für den jetzigen Preisunterschied zwischen konventionellem und Bio-Rind.

Wie groß ist der Preisunterschied?

Wir konnten den Preisunterschied in sieben Jahren von 10 auf 30 Prozent steigern. Momentan füllt sich der Markt, aber er ist nicht gesättigt. Der Heimmarkt wächst beständig. Das Angebot hat im Vorjahr wieder eine Dynamik bekommen. Nachdem die Steigerungen in den Jahren zuvor nur zwischen 1 und 5 Prozent lagen, hatten wir 2017 um 9 Prozent höhere Schlachtzahlen.

Liegt das an Neueinsteigern?

Zum Teil ja. Es ist aber vor allem die Perspektive. Wenn ein Betrieb für eine konventionelle Kalbin 3,60 Euro pro Kilo bekommt und als Bio-Bauer einen Euro mehr, dann kann man damit leben.

Welche Rolle spielt Bio Austria im österreichischen Bio-Rindfleischmarkt?

Bei Ochsen und Kalbinnen spielen wir eine große Rolle, weil wir hier mit dem Qualitätsmastochsen und dem Qualitätsmastkalb das Premiumprodukt in Österreich betreiben. Beim Jungrind ist die Marke Ja! Natürlich der Treiber. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe an regionalen Programmen. Der Marktanteil von Bio Austria in der Produktion liegt bei zwei Drittel.

Das wirkt sehr unübersichtlich. Wäre ein transparenter, einheitlicher Markt nicht besser?

Die einzelnen Handelsketten wollen sich differenzieren. Deshalb sind unterschiedliche Bio-Programme gefragt. Dieser Nachfrage wollen wir nachkommen. Für uns heißt das: Programme entwerfen, Versorgungssicherheit schaffen und Aufpreise ausverhandeln. Differenzierung bedeutet Bauerneinkommen.

Ihre Strategie ist also Mehrwert durch Differenzierung?

Das ist zumindest ein Teil unserer Strategie. Zusätzlich wollen wir uns stabile, importorientierte Märkte aufbauen. Wir sind bei Bio- Rindfleisch exportorientiert, weil die Mengen schneller wachsen als die inländischen Märkte und unsere deutschen Kollegen auch nicht schlafen. Wir haben vernetzte Märkte, die Trockenheit bringt international auch viel Bio-Rindfleisch auf den Markt. Das bedeutet Preisdruck bei Altkühen.

Das gesamte Interview finden Sie in der LANWIRT-Bio Ausgabe 5.
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Interview: Alois BURGSTALLER und Roman GOLDBERGER

Aktualisiert am: 28.09.2018 10:31