Diesel sparen oder Ertragspotential nutzen?

Erfolgreicher Getreideanbau beginnt bereits vor der Aussaat im Herbst, nämlich mit der richtigen Strategie bei der Bodenbearbeitung. Nicht nur aus pflanzenbaulicher Sicht, sondern auch aus wirtschaftlicher.
Mit der richtigen Bodenbearbeitung läuft das Getreide zügig auf.
Mit der richtigen Bodenbearbeitung läuft das Getreide zügig auf.
Die Kosten haben uns wieder eingeholt. War es bei den Preisen im Vorjahr noch möglich, mit 300 bis 500 kg/ha Getreide die Kosten für eine intensive Bodenbearbeitung einzuspielen, sind bei den derzeitigen Preisen 800 bis 1100 kg/ha Getreide notwendig, um allein die Bodenbearbeitung zu bezahlen. Im Vergleich dazu müssen allein für das Saatgut 600 bis 1000 kg/ha Getreide geerntet werden. 1500 bis 2000 kg/ha Getreide kostet der Aufwand, nur damit der Acker im Herbst bestellt ist.

Wie intensiv muss Bodenbearbeitung sein?
Getreide, vor allem der Weizen, hat ein hohes Kompensationspotential. Schwache Ausgangsbestände können durch die Bestockung und durch die Bekörnung der Ähre, z.T. sogar durch das Korngewicht, ausgeglichen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Pflanze ein ausreichendes Wurzelwerk bilden kann. In den Wurzelspitzen werden die Phytohormone (Cytokinine) gebildet, die die Kompensationsfähigkeit steuern. Mit der Bodenbearbeitung schaffen wir die Voraussetzungen, dass das Getreide zügig und gleichmäßig aufläuft und ein gutes Wurzelwerk bildet, das den Boden erschließt. Aber auch, dass der Boden genügend Wasser speichert, um den Wasser- und Nähstoffbedarf der Pflanze zu decken und dass überschüssiges Wasser zügig aus der Wurzelzone abgeleitet wird. Für das Keimen des Samens sind Wasser und Luft notwendig. Das Saatkorn muss dazu die Hälfte seines Gewichtes an Wasser aufnehmen. Dieser Wasserbedarf kann, wenn der Boden nicht staubtrocken ist, durch die Bodenfeuchte gedeckt werden. Der für das Saatkorn dafür notwendige Kontakt mit Bodenpartikeln ist gewährleistet, wenn die Hälfte der Krümel die Größe des Saatkorns hat. Ernterückstände im Saathorizont unterbinden diesen Kontakt und saugen selbst Wasser auf.

Was ist diesen Herbst bei der Getreideaussaat zu beachten?
• Die hohen Strohmengen erfordern eine intensivere Einarbeitung, eventuell auch eine Stickstoffausgleichsdüngung, wenn Getreide nach Getreide angebaut wird.
• Verdichtungen aus dem Vorjahr müssen aufgelockert werden, ohne neue Verdichtungen darunter zu schaffen.
• Gute Bestellbedingungen nutzen, kein Mensch kann vorhersagen, ob es noch einen „Goldenen Oktober“ gibt.
• Saatbett nicht zu fein herrichten, hohes Verschlämmungsrisiko durch starke Kalkauswaschung.
• Das Saatgut ist in diesem Jahr stärker mit Krankheiten belastet. Deshalb die Saatstärke nicht zu stark reduzieren:
Wintergerste:
250 – 300 keimfähige Körner je m² (zweizeilige)
200 - 250 keimfähige Körner je m² (mehrzeilige)
Winterweizen:
200 – 230 keimfähige Körner je qm (Frühsaat, 3 - 4 Triebe/Pflanze)
250 – 300 keimfähige Körner je qm (Normalsaat, 2 - 3Triebe/Pflanze)
330 – 450 keimfähige Körner je qm (Spätsaat, max. 3 Blätter/Pflanze)
• Saatgut nicht zu tief ablegen, hat häufig geringe Triebkraft.
• Regional muss mehr mit Schnecken gerechnet werden.
• Auf Blattläuse und Zikaden als Virusvektoren achten, „Grüne Brücken“ vermeiden.
• P- Düngung im Herbst (mineralisch oder organisch).
• K-Düngung zum Stoppelgetreide auf schweren Böden im Herbst.

Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar, Schackenthal (D)


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Aktualisiert am: 20.08.2009 15:22
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