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Aktuelles Heft

Die richtige Wasseraufwandmenge im Pflanzenschutz

Unkräuter oder Pilze bekämpfen – der chemische Pflanzenschutz ist vielseitig. So unterschiedlich wie die Verfahren selbst, sind auch die dafür notwendigen Wasseraufwandmengen.
Wassermenge, Düse und Fahrgeschwindigkeit müssen Sie für die unterschiedlichen Anwendungen aufeinander abstimmen. Foto: Agrarfoto
Wassermenge, Düse und Fahrgeschwindigkeit müssen Sie für die unterschiedlichen Anwendungen aufeinander abstimmen. Foto: Agrarfoto
Wasser dient uns im Pflanzenschutz als Trägersubstanz für die Mittel. Damit sie ordentlich wirken, spielt die optimale Wassermenge eine Rolle. Doch wann benötigen wir eine hohe Wirkstoffkonzentration, wann sollten wir in absoluten Wirkstoffmengen denken und wann sind höhere Wasseraufwandmengen angebracht?

Fungizide mit heilender und schützender Wirkung
Die heilende Wirkung von Fungiziden wie Morpholinen und Azolen hängt maßgeblich von der Wirkstoffkonzentration ab. Die Schutzwirkung von Azolen, Strobilurinen oder Carboxamiden ist hingegen eng mit der absolut ausgebrachten Wirkstoffmenge verknüpft. Bei Morpholin-Applikationen müssen Sie bei niedriger Wasseraufwandmenge unbedingt auch die Wirkstoffmenge verringern. So vermeiden Sie Verätzungen der Pflanzen durch überhöhte Wirkstoffkonzentrationen

Kontaktfungizide
Die Wirkung von Kontaktmitteln wie Chlorthalonil hängt dagegen von der Benetzung ab. Ein möglichst feines Tropfenspektrum ist erwünscht. Je größer Sie die Düse wählen, umso höher müssen Sie die Wasseraufwandmenge einstellen.

Halmbasis-Erkrankungen im Getreide
Die Bekämpfung von Krankheiten an der Halmbasis des Getreides erfordert in der Regel hohe Wasseraufwandmengen, große Düsen und langsame Vorfahrt. Größere Tropfen besitzen eine höhere kinetische Energie und dringen bei langsamer Fahrt umso tiefer in den Bestand ein.

Ährenbehandlung im Getreide
Bei der Bekämpfung von Ährenfusarien kommt es einzig und allein auf die Wirkstoffkonzentration an. Die Kombination aus einer geringen Wasseraufwandmenge von 100 bis 120 l/ ha, einer kleinen Düse und hohen Fahrgeschwindigkeiten garantiert eine maximale Wirkstoffkonzentration an der Getreide-Ähre.

Ausfallgetreide, -raps und Altunkräuter müssen vor der Saat Sommerungen bekämpft werden. Foto: LANDWIRT
Ausfallgetreide, -raps und Altunkräuter müssen vor der Saat Sommerungen bekämpft werden. Foto: LANDWIRT
Totalherbizide
Nicht zuletzt wegen der öffentlichen Kritik am Wirkstoff Glyphosat ist ein möglichst effektiver Einsatz geboten. Die Wirkung des Glyphosats ist stark konzentrationsabhängig, deshalb sollen Sie Wasseraufwandmengen von 100 bis 150 l/ha nicht überschreiten. Insbesondere bei kalkhartem Wasser müssen geringste Wasseraufwandmengen gewählt werden. Ca2+- und Mg2+-Ionen bilden mit Glyphosat-Molekülen inaktive Komplexe. Diese verlangsamen die Aufnahme des Wirkstoffes.

Unkrautbekämpfung mit ALS-Hemmern
Zur Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern in den stehenden Kulturen nutzen die Landwirte im Frühjahr vor allem ALS-Hemmer. Die Wirkung dieser Mittel ist ebenfalls konzentrationsabhängig. Überhöhte Wasseraufwandmengen verringern die Wirkstoffkonzentration in den Spritztropfen. Der für die Aufnahme in die Pflanzen notwendige Konzentrationsgradient zwischen Spritztropfen und Blatt kommt somit nicht zustande. Dies wirkt sich besonders bei geringer Luftfeuchte negativ auf den Bekämpfungserfolg aus.

Von Gerrit Hogrefe

Mehr zur richtigen Wasseraufwandmenge lesen Sie in der LANDWIRT Ausgabe 9/2017.
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Aktualisiert am: 20.04.2017 14:30