Die Rapsernte nicht überstürzen

Viele Landwirte fiebern der Rapsernte nervös entgegen. Sobald der erste Mähdrescher mit angebautem Rapstisch durch das Dorf fährt, ist kein Halten mehr. Aber Vorsicht! Immer öfter wird der Raps zu früh gedroschen.
Wichtig ist, dass man erste Ausfallverluste nicht überbewertet.
Wichtig ist, dass man erste Ausfallverluste nicht überbewertet.
Heutige Sorten sind sehr ertragreich, reifen jedoch auch später und vor allem ungleichmäßiger ab. Fungizide und Wachstumshemmer greifen in den Hormonhaushalt ein und sorgen dafür, dass die Schoten nicht so schnell aufplatzen. Die Seneszenshormone wiederum verlangsamen den Alterungsprozess. Die Pflanze assimiliert länger und die Abreife verzögert sich. Es entsteht der bekannte Greeningeffekt. Das bringt einerseits höheren Ertrag, Gesundheit und Standfestigkeit, fordert andererseits vom Landwirt jedoch viel mehr Geduld beim Erntetermin.

Erntetermin richtig wählen
Wann ist nun der richtige Erntetermin? Praktisch dann, wenn die Gesamtverluste am geringsten sind. Dieser Termin liegt meist später als man den spätesten für sich ausgemacht hat. Denken Sie daran, wie lange der Raps, allein sortenspezifisch, schon ohne große Ausfallverluste aushält. Die Platzfestigkeit erhöht sich noch durch die fungiziden Maßnahmen. Im Vergleich vom herkömmlichen zum optimalen Druschtermin können sich die Kosten halbieren, weil sich neben den geringeren Verlusten auch die höhere Mähdrescherleistung und die geringe Trocknung niederschlagen. Das heißt, man drischt besser zu spät als zu früh.

Fazit
Die Züchtung stellt heute sehr platzfeste Sorten zur Verfügung. Wachstumshormone und Fungizide verlängern die Assimilation und verzögern die Abreife. Das erfordert mehr Geduld beim Erntetermin, denn auch die grünen Gummischoten müssen abreifen. Gummischoten sind verlorener Ertrag, weil sie den Mähdrescher durchlaufen, ohne ausgedroschen zu werden. Sie landen zerhäckselt im Schwad. Wer zu früh drischt, schneidet sich Ertrag und Öl weg. Die Wartezeit von einer Woche kann die Erntekosten halbieren. Intensiv geführter Raps wird sich in die Weizenernte schieben und erfordert eine breite Reifestaffelung bei Weizen und Raps. Varioschneidwerke für flexible Umrüstung zwischen Weizen und Raps werden interessanter.

Autorin: Andrea FEIFFER; feiffer consult (D)


Autor:
Aktualisiert am: 19.05.2009 16:51
Landwirt.com Händler Landwirt.com User