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"Die Milchkrise ist noch nicht überwunden"

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Bei der Generalsversammlung der Obersteirischen Molkerei wurde über das turbulente Milchwirtschaftsjahr 2016 bilanziert. Durchschnittlich lag der Milchauszahlungspreis über alle Sorten bei 32,42 Cent netto.
Geschäftsführer Friedrich Tiroch forderte die Milchbauern zu Lieferdiziplin auf.
Geschäftsführer Friedrich Tiroch forderte die Milchbauern zu Lieferdiziplin auf.
Das erste Jahr ohne EU-Milchquote begann auch bei der Obersteirischen Molkerei (OM) mit einer Explosion der Milchanlieferung. Es kam europaweit zu einem extremen Milchpreisverfall. Die OM senkte im Frühjahr den Milchpreis drastisch auf 27,5 Cent netto. Eine große Herausforderung war die ungleichmäßige Verteilung der Milchanlieferung. Die Entwicklung der enormen Anlieferung begann sich dann im 2. und 3. Quartal zu drehen. Milch wurde zur Mangelware und die Milchpreise stiegen ab Oktober 2016 wieder. Das Segment Biomilch entwickelt sich stark. Bereits 29 % der Milchlieferanten und 22 % der Milchmenge ist derzeit Bio. 2016 erzeugte ein durchschnittlicher Milchlieferant der OM das erste Mal mehr als 100.000 kg Milch. Mit einer Gesamtanlieferungsmenge von 163 Mio. kg steigerte die Molkerei ihre Produktion um 7,3 %.
Gesamtösterreich betrachtet stieg die Milchanlieferung von 1994 bis 2016 von 2,2 Mio. t auf 3,2 Mio. t. Von ehemals 82.000 Milchlieferanten reduzierten sich diese auf nunmehr 28.500. Das ist ein Minus von 65 %.

Lieferdisziplin einhalten

Etwa 200 Milchbauern fanden sich zur Generalversammlung der Obersteirischen Molkerei ein.
Etwa 200 Milchbauern fanden sich zur Generalversammlung der Obersteirischen Molkerei ein.
Der Fokus der OM liegt in der Produktion von Käse. Beträchtliche Mengen davon werden exportiert. Mittlerweile wird der Weltmeisterkäse Erzherzog Johann flächendeckend bei Aldi Nord und Süd gelistet. Der Umsatz der OM stieg 2016 um 4 % auf 98,5 Mio. Euro.
Noch sind die Milchpreise stabil. Für April fixierte die Molkerei den Milchpreis auf 32 Cent netto. Doch werden die Milchmengen in den nächsten Monaten wieder steigen, werden die Märkte unter Druck geraten und die Preise damit fallen. In den ersten Aprilwochen wurde die Vorjahresanlieferung um 4 % überstiegen. Friedrich Tiroch, Geschäftsführer der OM appelliert an die Bauern: „Ich bitte euch um Lieferdiziplin in den nächsten Monaten, damit wir nicht wieder in eine ähnliche Situation wie im Vorjahr hineinschlittern. Die Milchkrise ist noch nicht überwunden!“

Freie Milch Lieferanten
In Bezug auf das Problem der Freien Milch Bauern sagte Obmann Jakob Karner: „Im Molkereigebiet der OM befanden sich 50 ehemalige Freie Milch Lieferanten aus Murau. In den letzten drei Jahren nahm die Molkerei immer wieder Bauern zurück.“ Mit der letzten Gruppe, bestehend aus 24 Milchbauern wurden im letzten Herbst Gespräche geführt. Zwei Betriebe wurden wieder Mitglieder, 22 schlossen sich einer bestehenden Liefergemeinschaft an.

Aktualisiert am: 21.04.2017 13:45