„Die GAP ist auf dem falschen Weg“

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Ein Entgelt für Umwelt-, Klima- und Tierschutz statt pauschaler Direktzahlungen fordern die europäischen Biobauern. Bioland-Präsident Jan Plagge vertritt sie bei agrarpolitischen Fragen.
„Wenn ich mehr Wertschätzung für Lebensmittel beim Verbraucher erzielen will, mache ich keine Politik für billige Lebensmittel.“
„Wenn ich mehr Wertschätzung für Lebensmittel beim Verbraucher erzielen will, mache ich keine Politik für billige Lebensmittel.“
LANDWIRT: Herr Plagge, ist die GAP* auf dem richtigen Weg?

Jan Plagge: Die GAP ist auf dem falschen Weg und braucht eine grundlegende Neuorientierung.

Was läuft falsch?

Das Hauptproblem der Gemeinsamen Agrarpolitik ist, dass sie ihre Ziele nicht erreicht. Sie wird den Herausforderungen an eine zukunftsfähige, umweltverträgliche und von der Gesellschaft akzeptierte Landwirtschaft nicht gerecht.

Ein Ziel wurde laut EU-Kommission erreicht: Durch die GAP-Reform und die tiefen Agrarpreise wurde die EU wettbewerbsfähig und konnte ihre Agrarexporte ausbauen.

Wenn von Wettbewerbsfähigkeit über die Direktzahlungen gesprochen wird, dann geht es um Massenware. Da sind wir sofort in einem Preiswettbewerb nach unten mit den Billigstanbietern der Welt. Europas Bauern als Billigstanbieter, das ist nicht unsere Vision einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Ich stelle mir die Frage: Was hat der europäische Bürger davon, dass wir uns durch einen Preiskampf in Massenmärkte begeben und dafür Steuermittel einsetzen?

Er hat billige Lebensmittel.

Bioland-Präsident Jan Plagge (re.) – hier im LANDWIRT Interview – ist agrarpolitischer Sprecher der europäischen Biobauern (IFOAM).
Bioland-Präsident Jan Plagge (re.) – hier im LANDWIRT Interview – ist agrarpolitischer Sprecher der europäischen Biobauern (IFOAM).
Dieses Argument wundert mich. Politiker und Agrarverbände kritisieren immer wieder die geringe Wertschätzung der Bevölkerung für Lebensmittel. Das widerspricht sich. Wenn ich mehr Wertschätzung für Lebensmittel beim Verbraucher erzielen will, mache ich keine Politik für billige Lebensmittel und setze dafür Steuermittel ein. Die europäischen Bürger erwarten sich etwas anderes von der GAP: Gesunde Lebensmittel mit Identität. Sie wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen. Sie wollen die Begleitleistungen der Landwirte - eine attraktive Landschaft, sauberes Trinkwasser und mehr Artenvielfalt. Sie wollen Tierschutz, Klimaschutz und Umweltschutz.

Sie vertreten ein internationales Netzwerk an Bio-Verbänden. Was ist Ihr Vorschlag?

Wir wollen die GAP über einen Zeitraum von zwei Agrarreformen so umbauen, dass wir zukünftig die Leistungen der Landwirte insbesondere für mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz honorieren können.

Also keine Direktzahlungen mehr und das gesamte Budget in die Säule 2?

Wir wollen keine pauschalen Direktzahlungen mehr, die zum Großteil an Verpächter durchgereicht werden, sondern ein Entgelt für Umwelt-, Klima- und Tierschutz einführen. In dieses Budget wollen
wir auch die agrarbezogenen Fördermittel der zweiten Säule integrieren, also die Agrarumweltmaßnahmen, die Investitionsförderung oder die Förderung in benachteiligten Gebieten. So vermeiden wir künftig die Mittelkonkurrenz mit anderen Maßnahmen der 2. Säule für die Regionalentwicklung. Dafür soll es ein eigenes Budget gegeben.

Warum?

Wir haben beobachtet, dass Regierungen, die weniger auf die Landwirtschaft setzen, einen Großteil der Säule 2 für Dorferneuerung, Highspeed-Kabel und Bushaltestellen eingesetzt haben. Wir wollen ein klar definiertes Budget für öffentliche Leistungen der Landwirte, die am freien Markt nicht honoriert werden. Das sind zum Beispiel sauberes Trinkwasser, Bodenschutz und Klimaschutz. Es sollte aber nicht nur – wie bisher – der entgangene Erlös honoriert werden. Nein, wir wollen Anreize für Landwirte schaffen und dafür müssen sie mehr erhalten als nur das entgangene Einkommen.

Wie reagiert die Politik auf Ihren Vorschlag?

Die Reaktionen sind zweigeteilt. Wir bekommen zum einen viel Zustimmung aus der Kommission, aus dem Parlament, und auch aus der konventionellen Praxis. Auf der anderen Seite kommt aber rasch die ernüchternde Antwort von Politikern: Das kriegen wir nicht hin. Die Landwirtschaft ist in der Krise und in Krisenzeiten will man nicht zu viel verändern.


Bioland-Präsident Jan Plagge ist agrarpolitischer Sprecher der europäischen Biobauern (IFOAM). Das Interview führte LANDWIRT Redakteur Roman Goldberger.


Das Interview in voller Länge lesen Sie in der Ausgabe 5/2017 von LANDWIRT Bio. Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft (solange der Vorrat reicht)

Aktualisiert am: 08.09.2017 11:04
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