Die Ferkelamme und ihre Renaissance

Steigende Wurfzahlen sind nur die halbe Miete. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind auch die Saugferkelverluste. Um diese zu senken kommen neben dem Wurfausgleich und der natürlichen Amme nun auch wieder die technischen Ammen ins Spiel.
Der Zuchtfortschritt hat in den letzten Jahren europaweit zu ständig steigenden Wurfgrößen geführt. Das Ziel der Produktionsstufe, möglichst wenig lebend geborene Ferkel zu verlieren, ist die logische Konsequenz unternehmerischen und ethischen Denkens. Ammen können dabei eine wertvolle Hilfe darstellen.

Natürliche Amme
Wurfausgleich und natürliche Ammen sind hier als Erstes zu nennen. Als Grundregel gilt, dass jedes Ferkel vor dem Versetzen Kolostralmilch aufgenommen haben muss. Andererseits sollte noch keine fixe Rangordnung innerhalb des Wurfs bestehen. So empfehlen Experten, den Wurfausgleich zwischen 12 und maximal 36 Stunden nach der Geburt durchzuführen. Gruppenabferkelung ist dabei Pflicht, eine Geburteneinleitung am 115. Trächtigkeitstag ist hilfreich. Im Wochenrhythmus hat sich ein zweistufiges Ammensystem bewährt. Dabei werden eine Sau mit hoher Milchleistung und 14 bis max. 21 Tage alten Ferkeln abgesetzt. Die Sau bleibt im Abferkelstall. Ihr wird ein rund eine Woche alter Wurf angesetzt. An die frei gewordene Sau wird ein kompletter Wurf mit den stärksten neugeborenen Ferkeln angesetzt. Die frisch abgeferkelte „ferkellose“ Muttersau erhält die jeweils kräftigsten Ferkel der großen Würfe dieser Gruppe. Im Dreiwochenrhythmus wird zumeist eine Sau mit sehr guter Milchleistung nach drei Wochen Säugezeit abgesetzt. Ihr werden die größten Ferkel der aktuellen Aberferkelgruppe angesetzt. Viele Praktiker empfehlen beim Einsatz einer natürlichen Amme das begleitende Angebot eines schmackhaften Milchaustauschers über eine Schale.

Technische Ammen
Technische Ammen sind in den 90er Jahren in Verruf gekommen. Hygienischen Mängeln folgte oft Saugferkeldurchfall, was dazu führte, dass diese Ammen ihr Dasein in der Rumpelkammer fristen. Der Begriff „technische Amme“ versteht sich bei den Ferkelammen der zweiten Generation etwas breiter. Der technische Fortschritt stellte das Hygienedefizit ab und machte die neuen Ferkelammen zu seriösen Hilfsmittel. Bisher werden drei dieser Ammen in Österreich eingesetzt.

Rechtslage
Nach der Tierhaltungsverordnung dürfen Saugferkel erst ab einem Alter von 28 Tagen abgesetzt werden. Unter bestimmten Umständen ist auch ein Absetzen zum 21. Lebenstag möglich (getrenntes Absetzen,…). Als Ausnahmeregel gilt, dass die Ferkel früher von der Sau getrennt werden dürfen, wenn dies das Wohlergehen der Sau oder der Ferkel erfordert.

Landwirt-Test
Die Ferkelamme „Rescue Deck“ wurde im Landwirt-Test über ein Jahr lang auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sind in der kommenden Ausgabe zu lesen.

Autor: Roman GOLDBERGER, Rainbach


Aktualisiert am: 05.01.2010 13:45
Landwirt.com Händler Landwirt.com User