Deutschland: Strukturprobleme des LEH erhöhen Druck auf Erzeugerpreise

Laut einer aktuellen Studie ist der einzigartige Druck auf die Erzeugerpreise für Fleisch und Milch in Deutschland auch darauf zurückzuführen, dass der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) selbst verschuldete Leistungsdefizite kompensieren muss.
Unter dem Titel „Die Einzigartigkeit des deutschen Lebensmitteleinzelhandels – Äußere Stärke trotz innerer Schwäche“, erstellte Professor Thomas Roeb im Auftrag der Stiftung Westfälische Landschaft dieses Gutachten.

Ergebnisse der Studie

Die Discounter seien im LEH in Deutschland so dominierend wie in keinem anderen Staat der EU, heißt es in der Studie. Seit den achtziger Jahren seien die Discounter immer stärker gewachsen, die Supermärkte hingegen hätten ihr Filialnetz nur wenig modernisiert und insgesamt unzureichend auf Marktveränderungen reagiert, so das Gutachten. Dadurch sei die Wettbewerbsfähigkeit der Supermärkte und SB-Warenhäuser gesunken, was zu einem steigenden Druck auf den Ertrag geführt habe.

Massiver Preisdruck bei Fleisch und Milch

Dennoch sei auch bei den Discountern mittlerweile „nicht alles Gold, was glänzt“. Aldi Süd als Kostenführer, habe zwar absolutes Spitzenniveau bei Ertragskraft und Marktstellung erreicht, könne dieses jedoch nicht mehr ausbauen. Da der Umsatz pro Artikel mittlerweile rückläufig sei müsse das Unternehmen immer mehr neue Artikel einlisten, um das Umsatzniveau konstant zu halten. Langfristig gefährde dies jedoch die Kostenführerschaft von Aldi Süd. Prof. Roeb hob hervor, dass der deutsche LEH versuche diese strukturell bedingten Ertragsschwächen durch einen erhöhten Preisruck auf die Lieferanten auszugleichen. Bei Fleisch und Milch führe das zu sinkenden Erzeugerpreisen, weil in diesem Segment die Verkaufspreise der Bauern die mit Abstand größte Aufwandsposition seien. Die Landwirte stießen bei der Reaktion auf den Preisdruck aber schnell an ihre Grenzen. Für weitere Kostensenkungen oder eine Verbesserung der Wertschöpfung fehlten die Möglichkeiten, d.h. trotz Effizienz in der Produktion könnten sie sich der Macht des LEH nicht entgegenstemmen, so Roeb. Außerdem gebe es keine überbetrieblichen Strategien zur Steigerung der Wertschöpfung, heißt es.

Strukturwandel bei den Schlachtunternehmen

Auf Seiten der Schlachtunternehmen gebe es einen starken Konzentrationsprozess, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Außerdem setzten sie auf eigene Wertschöpfung, z.B. durch Wurstproduktion (Quelle: ISN Deutschland).


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Aktualisiert am: 13.09.2010 19:19
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