Deutschland: Änderung der Schlachtkörper-Zurichtung bei Schweinen

Ab dem 01.01.2011 wird auf deutschen Schlachthöfen eine neue Schlachtkörper-Zurichtung bei Schlachtschweine umgesetzt.
EU-Recht: Augen, Augenlider und Ohrmuscheln sind Teile vom Schlachtkörper

Hintergrund ist eine Abweichung des direkt in den EU-Mitgliedsstaaten geltenden EU-Fleischhygienerechts von der bisherigen nationalen Regelung. Während in der am 21.05.2010 außer Kraft getretenen nationalen Fleischhygiene-Verordnung Augen, Augenlider und Ohrmuscheln noch als untauglich deklariert waren und somit nicht zum Schlachtkörper zählten, bezieht das EU-Recht diese Teile in den Schlachtkörper ein, soweit sie nicht wegen sonstiger gesundheitlicher Beanstandungen oder Verschmutzung als untauglich bewertet werden.

Abschnitte müssen ab 2011 beim Schlachtgewicht berücksichtigt werden

Unabhängig davon, ob diese Teile von den Schlachtunternehmen verwertet werden können, erhöht sich somit das Schlachtgewicht. Sofern die Abschnitte generell vor der Waage erfolgen, ist gemäß einem Beschluss der zuständigen Länderreferenten ab dem 01.01.2011 das Schlachtgewicht um einen Korrekturfaktor anzupassen. Für Augen und Augenlider ist in diesen Fällen zum ermittelten Schlachtgewicht ein Zuschlag von 50 g pro Schwein zu addieren, für Ohrenausschnitte sind es 200 g bei Mastschweinen bzw. 250 g bei Sauen und Ebern.

ISN: Unverständliche Änderung sorgt nur für Unruhe

Aus Sicht der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ist diese Änderung im Fleischrecht völlig unverständlich. Zwar hat der Export von bestimmten Teilstücken, die hier eher wenig nachgefragt werden, in Länder mit anderen Verzehrsgewohnheiten eine immer stärkere Bedeutung erlangt. Bei dieser Änderung der Schnittführung ist man jedoch wohl übers Ziel hinausgeschossen. Wer glaubt, dass wir Augen, Augenlider und dreckige Ohrmuscheln zu hohen Preisen in Exportmärkte mit strengen hygienischen Anforderungen vermarkten können, ist doch wohl schief gewickelt.

Wenn man von Seiten der Behörden unbedingt die Schnittführung verändern will oder muss, hätte man damit aus Sicht der ISN besser bis zur ohnehin im kommenden Frühjahr anstehenden Änderung bei den Klassifizierungsformeln warten können. Auf den ersten Blick ist ein höheres Schlachtgewicht sicherlich positiv für die Landwirte. Da die Schlachtbetriebe die „neuen“ Teilstücke jedoch weiterhin entsorgen müssen, ist unterm Strich kein finanzieller Nutzen zu erwarten, sondern nur unnötige Unruhe. Es bleibt abzuwarten, wie die Schlachthöfe ab dem 01.01.2011 auf die neue Schnittführung reagieren werden (Quelle: ISN, schweine.net).


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Aktualisiert am: 28.12.2010 16:01
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