Deutscher Milchkontor setzt auf Milchexport

Der Sprecher der Geschäftsführung vom Deutschen Milchkontor (DMK), Dr. Josef Schwaiger betont die enorme Bedeutung des Exports für die weitere Entwicklung der deutschen Milchwirtschaft.
DMK-Chef Dr. Josef Schwaiger: „Es muss nach Auslandskanälen gesucht werden.“
DMK-Chef Dr. Josef Schwaiger: „Es muss nach Auslandskanälen gesucht werden.“
In einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Peter Lüschow, stellte der DMK-Chef fest, dass sich das Rad jetzt gedreht habe, nachdem der heimische Milchmarkt zuvor immer ein ausgeglichenes Verhältnis von Produktion und Absatz verzeichnet habe. „Es muss nach Auslandskanälen gesucht werden“, so Schwaiger. Er wies darauf hin, dass das Deutsche Milchkontor bereits 38 % des Umsatzes im Export erziele, was für die Wertschöpfung „schon mal gut ist“. Bei der Ausfuhr in Drittländer stehe nicht nur das DMK vor einer Herausforderung: Europa habe im vergangenen Jahr schon gut 15 Mrd l Milch in Drittländer exportieren müssen. Vor diesem Hintergrund habe das DMK eine klare Strategie und wolle innerhalb von drei bis vier Jahren den Drittlandsexport auf 20 % steigern. Dabei richtet sich der Blick laut Schwaiger vor allem auf Regionen wie Asien und Nordafrika sowie den Mittleren Osten und Russland. In einem nächsten Schritt würden die USA und Südamerika ins Visier genommen; allerdings sei der Zugang zu den Märkten in diesen Regionen äußerst schwierig, schränkte der Sprecher der DMK-Geschäftsführung ein.

In der EU reiner Verdrängungswettbewerb
Schwaiger beklagte, dass die Molkereien in Deutschland viel zu wenig Marktmacht hätten. Diese liege ausschließlich bei den Händlern, nicht bei den Produzenten. In allen anderen Ländern sei man auf Augenhöhe oder wie in Dänemark sogar darüber. Diese Stärke fehle hierzulande, konstatierte der DMK-Chef. Er hob in dem Zusammenhang den Unterschied zwischen dem deutschen oder europäischen und dem Drittlandsmarkt hervor. In Deutschland und Europa werde bei steigender Produktion um einen stagnierenden Markt gekämpft; das sei ein reiner Verdrängungswettbewerb. Dieser gehe nur über Geld, während der Drittlandsmarkt ein wachsender sei. Hier gehe es um die Verteilung dieses Wachstums, stellte Schwaiger fest. Da könne man durchweg mitmischen, wenn man die entsprechenden Produkte habe, die entsprechenden Netzwerke, Niederlassungen und auch die Mitarbeiter, die diese Märkte kennen und bearbeiten würden. FrieslandCampina oder Arla könnten nicht die komplette Welt bedienen. Es gebe viele Ansatzpunkte, aber es brauche Zeit.

Derzeit jeder gegen jeden
Schwaiger teilte die Überzeugung von Lüschow, wonach in Deutschland große und starke Molkereien gebraucht werden, aber auch Nischenmolkereien „und dazwischen noch ein paar gesunde mittelständische Unternehmen“. Unstrittig sei, wenn die deutschen Milchproduzenten höhere Milchpreise wollten, dann müssten sie in der Struktur etwas tun. Bei der Angebotsstruktur, die jetzt bestehe, wo jeder gegen jeden arbeite, auch Genossenschaften, werde es immer einen Milchpreis am unteren Level geben, erklärte der DMK-Chef. Um stark zu werden, brauche es bei Standardprodukten, bei Produkten, von denen große Mengen gehandelt würden - einfacher Schnittkäse, normale Butter, Trinkmilch, normaler Joghurt - , große, starke Verwerter, die Marktmacht besäßen.

Milchprodukte häufig noch Luxus
Die längerfristige Entwicklung des Weltmarktes für Milchprodukte beurteilt Schwaiger zuversichtlich. Heute seien in vielen Ländern Milchprodukte noch Luxusprodukte. Die würden gekauft, wenn die Leute gut verdienten, wenn die Wirtschaft des Landes gut laufe. Laufe die Konjunktur schlecht, sei dies von einem Monat auf den anderen zu spüren. „Insbesondere die Drittländer legen mit enormem Wachstum zu - und die Menschen dort mögen Milchprodukte“, so der DMK-Chef. Dies gelte insbesondere für Verarbeitungsprodukte. Mit einem klaren „Nein“ antwortete Schwaiger auf die Frage, ob es Aufgabe der Genossenschaften sei, sich stärker am Terminmarkt zu engagieren beziehungsweise auf andere Weise Preisausschläge im Interesse der Erzeuger abzufedern. Er wies darauf hin, dass es am deutschen Terminmarkt mittlerweile nur einen Teilnehmer gebe, der dort schon Ware platziert habe, nämlich das DMK. Es gebe keine Anfragen, keine anderen Anbieter. Das müsse man erst lernen, und das werde dauern. AgE


Aktualisiert am: 13.08.2012 22:20
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