Deutsche Milcherzeuger streiten um Hilfsprogramm

In Deutschland streiten die Interessenvertreter der Milchbauern um das richtige Begleitprogramm zum Ausstieg aus der Milchquotenregelung. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) einen jährlich mit EUR 300 Mio. zu dotierenden Milchfonds verlangt, lehnt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ein solches Instrument ab.
Auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin hatte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner zu Beginn dieser Woche erklärt: "Wir brauchen einen eigenständig finanzierten Milchfonds. Ähnliche Einrichtungen gibt es in der EU bereits für Wein, Zucker sowie Obst und Gemüse." Für diese Forderung hatte Sonnleitner die Rückendeckung von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer erhalten. Seehofer versprach, er werde "unverrückbar" um mehr Geld für die Milchbauern kämpfen.

Kein Geld für Hilfsfonds

Nach Ansicht des BDM geht die Diskussion rund um einen Milchfonds jedoch am Kernproblem der Erzeuger vorbei. Es mache keinen Sinn, mehr Steuergelder in Form von Hilfsfonds und Unterstützungen zu fordern, statt die grundlegenden Rahmenbedingungen des Milchmarktes verändern zu wollen, erläuterte der BDM. Dies gelte umso mehr, als EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel dieses Ansinnen zum wiederholten Male abgelehnt habe. "Ich kann diesem Fonds nicht zustimmen, weil dafür das Geld nicht vorhanden ist", hatte Fischer Boel auf dem Bauerntag deutlich gemacht.

Einkommen über den Markt erwirtschaften

Der BDM betonte, die Mehrheit der Milcherzeuger wolle ihr Einkommen über den Markt erwirtschaften, statt von staatlich finanzierten Beihilfen abhängig zu sein. Wenn die für den Milchfonds geforderten Mittel auf die deutsche Produktion verteilt würden, betrage das Plus für die Erzeuger gerade einmal 1,1 Cent pro kg. Nach Auffassung des BDM-Vorsitzenden Romuald Schaber ist vielmehr eine Anhebung des Erzeugerpreisniveaus um mindestens 10 bis 12 Cent pro kg nötig, um Milch wirtschaftlich und nachhaltig produzieren zu können. Wichtig sei es, die richtigen Prioritäten zu setzen: Zunächst müssten die Milcherzeuger über eine Veränderung der Rahmenbedingungen des Marktes in die Lage versetzt werden, ein Marktpartner auf Augenhöhe zu werden. Danach könne über Begleitmaßnahmen gesprochen werden, die in Einzelfällen auch in Zukunft nötig sein dürften.


Aktualisiert am: 16.07.2008 17:51
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