Der drohenden Borkenkäfergefahr entgegenwirken

Autor Dipl.-Ing. Dr. Christian Tomiczek vom Institut für Waldschutz des, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft in Wien erläutert Möglichkeiten, wie der "Käfer" heuer in Schach gehalten werden könnte.
Sturm Kyrill hat in Österreichs Wäldern mehr als 3 Mio. fm Holz geworfen oder gebrochen. Wenn das Holz nicht rechtzeitig aufgearbeitet und aus dem Wald abgeführt wird, droht eine Borkenkäferkalamität, wie wir sie bisher in Österreich noch nicht hatten. Der Grund liegt in der extrem hohen Borkenkäferausgangspopulation des Vorjahres. Denn: 2006 wurden in Österreich 2,4 Mio. fm Schadholz durch Borkenkäfer gemeldet, diese Holzmenge war nur unwesentlich geringer als 2005 (2,5 Mio.). Und die Hauptschadensgebiete lagen genau in den jetzt von Kyrill besonders stark betroffenen Bundesländern Steiermark, Oberösterreich, Salzburg und Niederösterreich.

Am Stock belassen?

Wird das Sturmschadensholz nicht rechtzeitig aufgearbeitet und nicht vom Wurzelstock getrennt, bleiben diese Bäume besonders attraktiv für Borkenkäferbefall. Eine Borkenkäferzucht und eine Holzentwertung ist die Folge. Daher ist eine rasche und vollständige Aufarbeitung unbedingt notwendig, bevor der Käferbefall noch stattfinden kann.



Schleppende Holzabfuhr

Vermutlich wird es (wie schon in den Jahren davor) zu Problemen mit der rechtzeitigen Holzabfuhr kommen. Nadelholz mit Rinde sollte aber unbedingt vor dem ersten Borkenkäferflug, der je nach Temperatur zwischen Mitte April bis Mitte Mai stattfinden wird, aus dem Wald gebracht werden. Ist dies nicht möglich, sollte das Holz entweder entrindet oder mit einem Stammschutzmittel behandelt werden

Verwendung von Stammschutzmitteln

  • Stammschutzmittel können vorbeugend, also vor der Besiedelung der Stämme durch Borkenkäfer, und bekämpfend angewendet werden. Um eine erfolgreiche Behandlung von gefälltem Holz durch Besprühen mit Stammschutzmitteln (Insektiziden) zu erzielen, dürfen nur Mittel verwendet werden, die für diesen Zweck amtlich zugelassen sind (siehe: www.borkenkaefer.at). Weiters sind die je nach Mittel unterschiedlichen Auflagen für deren Anwendung zu beachten.


Holzzwischenlager

Als Überbrückungshilfe können Holzzwischenlager mit einer Mindestdistanz von 400 bis 500 m außerhalb des Nadelwaldes errichtet werden. In Einzelfällen, in denen diese Distanz nicht erreicht werden kann, ist eine Lagerung bis 150 m vom Nadelwald entfernt möglich, wenn gleichzeitig zusätzliche Schutzmaßnahmen (Pheromonfallenfront entlang des Lagers, Nasslagerung oder Ganterbegiftung) getroffen werden.

Holzkonservierung durch Sauerstoffentzug

Hierbei wird frisches Rundholz in Polyäthylenfolien (Silofolien) luftdicht eingeschweißt und durch natürliche Prozesse der Umgebung Sauerstoff entzogen. Versuche aus Deutschland zeigen, dass derart gelagertes Holz selbst nach drei Jahren weder Rotstreif, noch Bläue oder Insektenbefall aufgewiesen hat.

Schlagrücklass

Im Bestand verbleibende Kronenteile und Äste können leicht durch den Kupferstecher besiedelt werden. Durch Häckselung, Mulchen sowie das Legen von Fratten an Sonnen exponierten Stellen kann einer Vermehrung des Kupferstechers entgegengewirkt werden.

Linktipps:

Borkenkäfer-Monitoring: www.borkenkaefer.at

BFW-Homepage: http://bfw.ac.at


Aktualisiert am: 07.05.2007 08:19
 
 
 
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