Der VW Amarok im Test

Nicht nur Insider sind überzeugt, dass der Amarok innerhalb kürzester Zeit der beliebteste Pickup in Europa sein wird.
VW Amarok überzeugt im Gelände und auf der Straße
VW Amarok überzeugt im Gelände und auf der Straße
Jahrzehntelang haben die Japaner den europäischen Pickup-Markt fest in ihrer Hand gehabt. Hilux, L200, Navara hießen und heißen auch in Österreich die Show-Stars des Pritschenlaster-Segments. Halb-Amerikaner wie der Ford Range dürfen im Kampf um Verkaufs- und Zulassungszahlen auch noch ein bisschen mitspielen. Vollamerikaner wie der Dodge Ram oder die Ford F-Serie geben hierzulande gerade mal das Mauerblümchen. Diese eingefahrenen Hierarchie-Verhältnisse dürften 2011 gehörig durchgerüttelt werden. Denn: Die Deutschen sind da. Konkret: Volkswagen. Nach dem semilegendären "Taro" der frühen 90er-Jahre - der im wesentlichen ein Toyota Hilux mit VW-Logo war - haben die Wolfsburger nun erstmals wieder einen Pickup auf dem Markt.

Konkreter Österreich-Bezug: Der Amarok wird im argentinischen Werk Pacheco für den Weltmarkt produziert - im Land der Gauchos hat bei VW ein Mann das Sagen, der vor einigen Jährchen auch die heimische Politik bis zu einem gewissen Grad mitgeprägt hat. Klima ist sein Name. Viktor Klima lässt ein Auto bauen, dass auf der ganzen Welt seine Einsatzzwecke finden wird. Nicht nur in der argentinischen Pampa.

VW Amorak überzeugt im Test

Durch die Bodenfreiheit auch im seichten Wasser gut zu fahren.
Durch die Bodenfreiheit auch im seichten Wasser gut zu fahren.
Doch zurück zu unserem Test: Der Amarok ist auf den ersten Blick - ein wenig erstaunlich - ein ziemlich konventioneller Pickup geworden. Blattfedern und Starachse hinten, vorne sind die Räder sauber einzeln aufgehängt. Die Ladefläche ist großzügig dimensioniert, die Karosserie generell - vielleicht mit Ausnahme der hübsch modernen Frontpartie - nicht gerade außergewöhnlich gestylt.

Schon ein wenig von der Norm abweichend: Dass VW zwei Turbodieselmotoren anbietet - einen vielfach als ein wenig schwächlich bezeichnetes Vierzylinder-Aggregat mit 122 PS sowie ein bäriges, von zwei Turboladern zwangsbeatmetes Selbstzünder-Triebwerk mit stolzen 163 PS.

Zwei unterschiedliche Allradkonzepte

Noch ungewöhnlicher: Dass Volkswagen zwei komplett unterschiedliche Allradkonzepte baut: Für den Hardcore-Offroader den zuschaltbaren Allradantrieb, der auf einer Klauenkupplung aufbaut. Für den komfortliebenden Fahrer den Permanentallrad, der über ein Torsen-Differenzial verfügt und die Antriebskraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Erstere Variante ist am Heck durch eine rote "4" im 4MOTION-Schriftzug zu erkennen, letztere durch eine schwarze 4.

Auch im Schräghang überzeugt der VW Amarok
Auch im Schräghang überzeugt der VW Amarok
Wir testeten auch die – schwarze - Luxusvariante. Mit einer eingebauten 100-Prozent-Differenzialsperre an der Hinterachse. Damit kommt man im Gelände weiter, als es sich die meisten Fahrer jemals zutrauen würden. Das ist natürlich gut, veranlasst aber auch zu Übermut, der sich rächen kann: Denn der lange Radstand des Amarok könnte schnell für gröbere Kuppen-Aufsitzer sorgen. Die wohl in den meisten Fällen aufgezogenen Straßenreifen sorgen zum Glück ebenfalls dafür, dass der Vortrieb meist endet, bevor gröbere Blechverformungsarbeit geleistet werden kann.

Amarok auf der Straße mit besten Fahrkomfort

Hinter der Pampa gleich links, dort, wo wieder die befestigen Straßen für schnelles Vorankommen sorgen, hat uns der Amarok ebenfalls gut gefallen: Hier bietet der Amarok einen Fahrkomfort, der im Pickup-Segment bislang unbekannt war. Sein Fahrwerk ist besser als bei allen anderen Mitbewerbern. Auch der 163-PS-Motor und das optimal angepasste 6-Gang-Schaltgetriebe können im Segment überzeugen. Manche würden sogar sagen: Neue Standards setzen.

Im Innenraum: VW-typische Nüchternheit. Gute Haptik, moderne Optik. Aber wenig Reiz, wenig Emotion, wenig Neues. Säße man nicht so hoch über Grund, könnte man meinen, man hätte in einem Passat Platz genommen.

Insgesamt bietet VW dennoch das Pickup-Paket, das sich die Kunden gewünscht haben. Und die Konkurrenz befürchtet hat. Ein komplettes, sowohl nutzer- als auch leistungsoptimiertes und technisch hochwertiges Fahrzeug. Ein wenig bieder ist er, der Amarok, aber dennoch hoch interessant. Ein - immer wenn es um VW geht - nur scheinbarer Widerspruch.


Aktualisiert am: 26.04.2011 05:59
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