Der Auerhahn: Ein selten gewordener Waldbewohner

Den großen Höckerschwan kennen alle, den fast gleich großen Auerhahn nur wenige. Dabei war er einmal weit verbreitet und sein charakteristischer Balzgesang im zeitigen Frühjahr vielen Leuten vertraut. Doch was er zum Leben braucht, ist heute selten geworden: alte stille Wälder, weite Flächen mit Beerensträuchern, die einen Hauptteil seiner Nahrung ausmachen.
Schon vom ersten Lebenstag an müssen Auerhahnküken ihre Nahrung selbst suchen. Frisch geschlüpft, wiegen sie etwa 40 g und in nur zwei bis drei Wochen sollen sie fliegen können. Foto:Steirische Landesjägerschaft
Schon vom ersten Lebenstag an müssen Auerhahnküken ihre Nahrung selbst suchen. Frisch geschlüpft, wiegen sie etwa 40 g und in nur zwei bis drei Wochen sollen sie fliegen können. Foto:Steirische Landesjägerschaft
Nur noch in den ausgedehnten Bergwäldern, wie sie in der Steiermark typisch sind, hat er ein Rückzugsgebiet gefunden. Doch selbst dort wird es manchmal buchstäblich zu eng.

Zurückgezogene Waldbewohner
Ist der Hahn schon selten, haben nur wenige jemals eine Auerhenne gesehen. Das ist auch so gewollt. Denn die Hennen führen ein eigenes, zurückgezogenes Leben, um keine Aufmerksamkeit auf sich und ihre Jungen zu ziehen. Deshalb ist ihr Gefieder wie Laub am Waldboden gefärbt. Im Schutz eines umgestürzten Stammes oder Wurzeltellers hat die Henne in den April/Maiwochen sieben bis acht braungefleckte Eier ausgebrütet. Nun sind die jungen Auerküken geschlüpft, und die gefährlichsten Wochen ihres Lebens stehen bevor.

Das Gesperre des Auerwild
Schon vom ersten Lebenstag an müssen ihre Nahrung selbst suchen. Kaum aus dem Ei gekrochen, wiegen sie etwa 40 g, soviel wie zwei Standardbriefe. In nur zwei bis drei Wochen sollen sie fliegen können. Die Henne führt ihr Gesperre – so nennt man die Kinderschar beim Auerwild – zu den Stellen in ihrem Revier, wo sie die dafür notwendige Nahrung finden. Und das ist gar nicht so leicht. Denn die Kleinen brauchen jetzt Eiweiß in Form von Insekten, Käfern, Raupen. Wird es kalt, schlüpfen die Küken sofort unter das Bauchgefieder der Henne, um sich zu wärmen. Erst nach rund drei Wochen können sie auch schon selbst ihre Körperwärme aufrechterhalten. Doch wenn es im Frühsommer zu längeren Kälteeinbrüchen kommt, erfrieren und verhungern die Auerküken rasch, denn dann finden sie nicht mehr genug Insektennahrung. Natürlich versuchen auch Fuchs, Marder oder Eule, einen kleinen Happen Auerhuhn zu erbeuten. Doch neben Kälte und Insektenmangel, sind es vor allem die Veränderungen in den Wäldern, die dem Auerwild im wahrsten Sinne Prügel vor die Füße werfen. Viele kleine Auerküken stürzen ungeschickt in Asthaufen, aus denen sie sich nicht befreien können. Sobald sie fliegen können, brechen sie sich in Zäunen oder an Kabeln und Leitungsdrähten den Hals. Das große Auerhuhn braucht vom Beginn seines Lebens Platz im Wald.

Auerwild schützen
Damit der „Große Hahn“ und seine Familie in unseren Wäldern überleben können, braucht es die Hilfe und Rücksicht vieler: Landesjägermeister Heinz Gach: „Förster müssen wieder dafür sorgen, dass es genügend alte Waldbestände mit viel Platz für den großen Vogel und wenig Zäune gibt, Touristiker achten darauf, dass keine Wanderwege und Loipen durch die Wintereinstände der Vögel führen und Spaziergänger führen ihre Hunde im Wald selbstverständlich an der Leine.“

Autor: Wildbiologie Steirische Landejägerschaft, Ch. Miller

Bildtext: Schon vom ersten Lebenstag an müssen Auerhahnküken ihre Nahrung selbst suchen. Kaum aus dem Ei gekrochen, wiegen sie etwa 40 Gramm, soviel wie zwei Standardbriefe und in nur zwei bis drei Wochen sollen sie fliegen können.

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Aktualisiert am: 31.05.2013 07:53
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