Dauertropftherapie bei Kälbern: Rettungsanker bei akuten Durchfällen

Was den Durchfall gefährlich macht ist der Flüssigkeitsverlust. Dieser lässt sich mit einer neuen Infusionstechnik relativ einfach ersetzen. Nur trauen muss man sich!
Schon nach wenigen Minuten steht das Kalb wieder auf.
Schon nach wenigen Minuten steht das Kalb wieder auf.
Leider ist die Dauertropfinfusion von akut durchfallkranken Kälbern nicht bei allen praktischen Tierärzten bekannt. Gerade ältere Kollegen kennen diese relativ neue Infusionstechnik noch nicht oder lehnen sie aus Unwissenheit ab.

Dabei sind die Erfolgsaussichten geradezu phänomenal. Im Schnitt können drei von vier noch so kranke Kälber damit gerettet werden! Das Prinzip der Dauertropfinfusion besteht zum einen in der Volumenauffüllung (i.d.R.mit Kochsalzlösung) und zum anderen in der Abpufferung der bestehenden Blutacidose. In der Regel kann auf Antibiotika völlig verzichtet werden.

Der venöse Zugang wird meistens über die Ohrvenen realisiert. Diese lassen sich relativ gut anstauen und ein Überinfundieren (unkontrolliertes Infundieren) ist quasi durch den kleinen Venendurchmesser so gut wie unmöglich. Das Legen der Verweilkanüle erfordert allerdings etwas Erfahrung, mit ein Grund, warum mancher Kollege vor dieser Technik zurückschreckt.

Hat man an den Ohren kein Glück mit den Venen, kann man auf die relativ dicke Halsvene zrückgreifen und dort die Kanüle einsetzen.

Dem Kalb wird sodann ein 5 oder 10-Liter Kanister mit isotonischer (0,9%iger) steriler Kochsalzlösung angehängt. Dieser soll ungestört den ganzen Tag lang bei einer Tropfenanzahl von 1-2 pro Sekunde laufen. Der durch den Durchfall entstandene Flüssigkeitsverlust kann bis zu 12 % und mehr des Körpergewichtes ausmachen. Ein 50-kg Kalb kann demnach 6 Liter verlieren, benötigt aber die gleiche Menge zusätzlich als Erhaltungsbedarf. Diese benötigten Mengen stoßen bei Landwirten oft auf Verwunderung („Was, das soll es alles bekommen?“).

Doch der Erfolg gibt einem oft sehr schnell recht: Meist stehen die vorher wie festbetonierten Kälber nach ein paar Stunden von selbst wieder auf und zeigen sogar wieder selbstständig Saugreflexe.

Autor: Dr. Peter ZIEGER, Appenrod (D)


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Aktualisiert am: 17.03.2006 09:45
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