Das wahre Leben der Bergbauern

Kategorien zum Thema: Bio Top Milchvieh
Ihre Höfe liegen auf über 1.000 Meter Seehöhe, die ebenen Flächen sind begrenzt und sie haben meist zwei Berufe: die Bergbauern. In Osttirol stehen sie nun vor einem Problem.

Johannes Prinster ist einer von 120 betroffenen Milchbauern, die aus dem ZzU-Projekt aussteigen müssen. Foto: Taferner
Johannes Prinster ist einer von 120 betroffenen Milchbauern, die aus dem ZzU-Projekt aussteigen müssen. Foto: Taferner
Wenn sich Johannes Prinster morgens in der Stahlbaufirma die blaue Latzhose und die Arbeitsschuhe anzieht, hat er schon viel geleistet. Der 26-jährige Osttiroler hat bereits sieben Kühe gemolken und 70 bis 80 Liter Milch im Kühlanhänger zur zwei Kilometer entfernten Sammelstelle gefahren. Der Tankwagen wartet jeden zweiten Tag um 5 Uhr morgens auf ihn. Dann klingelt sein Wecker um 4 Uhr, damit er rechtzeitig in der Arbeit ist. 40 Minuten Fahrtzeit muss er für die 30 Kilometer Wegstrecke zwischen Eggen und Abfaltersbach einkalkulieren. Unter der Woche ist er Werksmeister und Maschinenschlosser, vor und nach der Arbeit Land- und Forstwirt. Er bewirtschaftet 5 Hektar zweischnittiges und 12 Hektar einschnittiges Grünland in Bergbauernzone 4.

Arbeit: schwer, Produktionskosten: hoch
So wie Johannes Prinster geht es vielen Landwirten in Osttirol. Die Betriebe sind meist klein, durchschnittlich sieben Kühe hält ein Osttiroler Milchbetrieb. Nebenerwerb und Tourismus prägen die Landwirtschaft. Wo möglich, bieten die Landwirte Gästezimmer für die vielen Touristen in der Region an. Das lässt sich gut mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft inmitten der Dörfer verbinden. Im Sommer sind die Kühe meist auf der Alm. Die Arbeit ist beschwerlich, die Produktionskosten hoch. Umso wichtiger, dass die 120 Osttiroler Bio-Milchbauern ihre Milch bisher als Premium-Bio-Milch unter der Marke Zurück zum Ursprung (ZzU) verkaufen konnten. Die Zuschläge zum Bio-Milchpreis waren für die Bergbauern wichtig, um die hohen Produktionskosten zu decken. Doch damit ist bald Schluss.

“Nun lässt man uns fallen.“
Alois Groder: „Die Investitionskosten für einen Laufstall für sieben oder acht Kühe sind viel zu hoch.“ Foto: Riebler
Alois Groder: „Die Investitionskosten für einen Laufstall für sieben oder acht Kühe sind viel zu hoch.“ Foto: Riebler
Alois Groder sitzt auf der hölzernen Eckbank und verschränkt die Arme. „Wir sind
enttäuscht“, sagt er und senkt den Kopf. Er hält kurz inne. „ZzU wurde für das Berggebiet geschaffen und nun lässt man uns fallen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Der große, erfahrene Bergbauer wirkt hilflos. Alois Groder bewirtschaftet einen Bio-Milchviehbetrieb in Kals am Großglockner, mitten im Ort. Seine 10 Bio-Milchkühe grasen im Sommer auf der Gemeinschaftsalm, im Winter sind sie im Tal am Hof. Er ist einer von 120 Osttiroler ZzU-Milchbauern, die im Frühjahr bekanntgeben mussten, ob sie ihren Rindern 365 Tage Auslauf gewähren können. Mehr als ein Drittel der Bauern haben nicht unterschrieben. Nun wird die gesamte Milch aus Osttirol als Standard-Bio-Milch gesammelt. Die Milchlogistik durch die Berglandmilch lässt nur eine Abholung von zwei verschiedenen Milchsorten zu. Die Osttiroler ZzU-Bauern standen vor der Wahl: alle oder keiner. Nicht alle konnten die 365 Tage Auslauf garantieren.

Investitionen in Laufställe würden Kleinbauern für Jahrzehnte verschulden
Auch Johannes Prinster hat nicht unterschrieben. Es sind jene Bauern, deren Rinder von Frühjahr bis Herbst Weidegang haben und im Winter in den Ställen sind. Viele dieser Anbindeställe sind zu schmal, um sie ohne Zubau in Laufställe umzubauen. Manche Landwirte haben die ebenen Flächen am Hof bereits ausgeschöpft und müssten mit Stützmauern und Baggern zusätzliche Stallflächen in den Steillagen schaffen. Die dafür nötigen
Investitionen würden die Kleinbetriebe für Jahrzehnte verschulden.

Osttiroler Bio-Milchbauern sehen betriebliche Zukunft schwinden
Dass viele Osttiroler Bio-Milchbauern ihre Zukunft in der Milchviehhaltung schwinden sehen, bestätigt auch Alois Groder: „Viele Bauern haben Angst davor, dass sie bald ohnehin aus dem ZzU-Projekt aussteigen müssten, weil sie die Laufstallpflicht nicht erfüllen können.“
Als Ziel von ZzU gilt es, dass die Milchproduzenten ihre Kühe ab 2022 in Laufställen halten. Festgeschriebene Termine gibt es noch nicht. Groder: „Ein Bauer bei uns in Kals investiert derzeit in einen Laufstall. Für einen Stall für 14 Kühe muss er 450.000 Euro in die Hand nehmen. Die Investitionskosten für einen Laufstall für sieben oder acht Kühe sind viel zu hoch.“ Auch Gemeinschaftsställe sind für Alois Groder keine Alternative: „Eine Aussiedelung der Bauern aus dem Ortsbild wäre nicht gut für den Tourismus. Die kleinen Betriebe können ja gerade deshalb überleben, weil sie zusätzliche Einkünfte durch die Gästezimmer haben.“



Was das Auslaufen der Lieferverträge mit Zurück zum Ursprung in zwei Jahren für die Osttiroler Bio-Milchbauern bedeutet und was sie von der Politik fordern, lesen Sie in der aktuellen LANDWIRT Bio-Ausgabe 6.
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Autoren: Karin Ch. TAFERNER und Roman GOLDBERGER, LANDWIRT Redakteure

Aktualisiert am: 09.11.2018 11:06
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