Das bestimmt den Ertrag

Welche Eigenschaften bestimmen die Ertragsstruktur bei den unterschiedlichen Getreidesorten? Eine zweijährige Bonitierung der Ertragsstruktur bei Weizen und Gerste in der Steiermark gibt Auskunft.
Viruserkrankungen lassen sich durch Läusebekämpfungen in Schach halten.
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Landwirte, die über mehrere Jahre ein und dieselbe Sorte anbauen, wissen, welche Eigenschaften ihre Sorten im Ertragsaufbau haben. Bei einem Wechsel von einer bekannten Sorte zu einer neuen kann es daher passieren, dass sich die erwünschten Erfolge nicht einstellen.
Der Ertragsaufbau bei Getreide setzt sich aus den Faktoren Pflanzenanzahl und Ähren je Quadratmeter sowie der Kornzahl je Ähre und dem Tausendkorngewicht (TKM) zusammen. Diese vier Faktoren sind je nach Sorte unterschiedlich ausgeprägt. Es ist daher leicht nachvollziehbar, dass eine Sorte mit geringem Ährengewicht (Kornzahl je Ähre mal TKM) eine höhere Ährenanzahl je Quadratmeter ausbilden muss, um entsprechende Erträge zu erzielen, als eine Sorte mit hohem Ährengewicht.
Der Kompensationtyp ist der verbreitetste Typ, wobei eine scharfe Trennung zu den anderen Ertragstypen bei manchen Sorten fließend verläuft. Beispiel dafür sind die Winterweizensorten Winnetou, Augustus, Manhanttan, Belmondo, Globus u.a. Wintergerstenvertreter dieses Typs sind Virgo, Reni, Palinka, Lupida, Leonore u.a..
Durch einen flexiblen Ertragsaufbau sind diese Sorten einfacher zu führen. Sie zeichnen sich durch mittlere TKM´s und Kornzahl je Ähre aus. Großteils haben sie zwischen 500 und 600 Ähren je Quadratmeter. Sorten mit höherer Ährenanzahl senken die Kornzahl je Ähre. Sollten diese Sorten nach der zweiten Oktoberwoche ausgesät werden, muss die Saatstärke je nach Saattermin auf bis zu 350 Körner/m² angehoben werden. Zu hohe Saatstärken von 400 Körnern/m² und darüber führen nur zu einer umfangreichen Triebbildung bis zum Schoßbeginn mit anschließend stärkerer Reduktion.

Die Bestandesdichtetypen haben ausnahmslos ein geringes Ährengewicht, weil sie sehr wenig Körner je Ähre ausbilden. Einzige Ausnahme war im Jahr 2003 die Sorte Tulsa, welche trotz hoher Kornzahl je Ähre, bedingt durch ein niedriges Tausendkorngewicht, ein geringes Ährengewicht erzielte.
Diese Sorten dürfen auf keinen Fall zu spät angebaut werden. Sofern dies unumgänglich ist, muss eine überdurchschnittliche Saatstärke bei Wintergerste von bis zu 400 Körnern je Quadratmeter ausgelegt werden. Bei Weizen reichen 350 Körner pro m². Nur so kommt man auf die nötige Ährenzahl je m² von über 700 bei Gerste und über 600 bei Weizen, sofern Spitzenerträge angestrebt werden. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass bei derartig hohen Bestandesdichten der Einsatz eines Halmverkürzers unumgänglich ist. Im Trockengebiet muss man sich zusätzlich fragen, ob diese hohen Bestandesdichten ausreichend Wasser haben, um die Maximalerträge auszuloten.

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Aktualisiert am: 01.09.2004 15:26
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