Das Trio Infernale schlug besonders kräftig zu

Die drei Pilze, die Auswinterungsschäden verursachen, haben heuer besonders krass gewütet. Was waren die besonderen Bedingungen, die beim Getreide heuer solche Schäden verursachten?
Vom „Rosa Schneeschimmel“ befallener Winterroggen. Charakteristische Färbung der abgestorbenen Blätter durch die Sporenlager von Monographella nivalis. St. Ulrich im Mühlviertel, 13. 4. 2006.
Vom „Rosa Schneeschimmel“ befallener Winterroggen. Charakteristische Färbung der abgestorbenen Blätter durch die Sporenlager von Monographella nivalis. St. Ulrich im Mühlviertel, 13. 4. 2006.
Die ungewöhnlich lange Schneebedeckung im heurigen Winter führte insbesondere in den höheren Getreideanbaulagen zu verheerenden Auswinterungsschäden. Im Bezirk Rohrbach (Mühlviertel) wurden beispielsweise ca. 90 % der Winterungen weitgehend zerstört. Betroffen, wenn auch in geringerem Ausmaß, waren auch die niedrigeren Lagen des Alpenvorlands, wo es insbesondere bei empfindlichen Sorten zu stärkeren Schäden kam. Nach Angaben der österreichischen Hagelversicherung sind von den Auswinterungen (incl. Raps) insgesamt 50.000 ha Ackerfläche in Österreich betroffen, wobei der Schaden mit 10 Millionen € beziffert wird.

Ursachen des Auswinterns
Verursacht wurden die Schäden von drei verschiedenen parasitischen Pilzen, welche an sehr niedrige Temperaturen angepasst sind. Da sich deren Myzel unter der Schneedecke entwickelt, werden diese Pilze auch „Schneeschimmel“ genannt. Besonders begünstigt wird die Entwicklung dieser Pilze, wenn Schnee auf noch ungefrorenen Boden fällt, was im November des vorigen Jahres der Fall war. In Lambach (westliches Alpenvorland) blieb der Schnee, bei 11-tätiger Unterbrechung im Dezember, insgesamt 114 Tag liegen. In Rohrbach im Mühlviertel dauerte die Schneebedeckung insgesamt 131 Tage.
Das erstaunliche an diesem „Katastrophenwinter“ war das massive Auftreten eines, in Mitteleuropa bisher kaum beachteten, vor allem im Norden Skandinaviens, Russlands, Japans und Nordamerikas verbreiteten „Schneeschimmels“ mit dem Namen Typhula ishikariensis, der als

Nordischer Grauer Schneeschimmel
bezeichnet werden kann. Er war ausschließlich in den höheren Lagen (Mühlviertel) anzutreffen, wo er beim Dinkel, aber auch beim Bastard-Raygras für die Auswinterungen verantwortlich war. Auch beim Triticale und bei der Wintergerste sorgte er für entsprechende Schäden. Bei den letztgenannten Kulturen war oftmals auch der „Rosa Schneeschimmel“ an den Auswinterungen mitbeteiligt.

Autor: Dr. Herbert HUSS, Versuchsstation Lambach – Stadl-Paura, HBLFA Raumberg - Gumpenstein


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Aktualisiert am: 23.05.2006 16:50

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