Das Pferd und seine Weide

Die Weidehaltung erlebt nicht nur bei den Pferden eine deutliche Zunahme. Diese für das Pferd artgerechte und gesunde Haltungsform findet auch bei den Landschaftsästheten guten Anklang. Jeder Pferdehalter will seine Pferde gerne auf die Weide schicken. Wie die Pferdeweide richtig gepflegt, gedüngt und beweidet werden soll, wird in dieser ÖAG-Broschüre geschildert.
Da die Weide auch als Auslauf und Spielwiese dient, dürfen die Flächen nicht zu klein sein.
Da die Weide auch als Auslauf und Spielwiese dient, dürfen die Flächen nicht zu klein sein.
Weidepflege und Düngung
Im Herbst sollte nach dem letzten Weidegang bis etwa 20. Oktober ein gut verrotteter Pferdemist im Ausmaß von 15 bis 20 t/ha ausgebracht werden.
Jene Flächen, die im Herbst noch keine Düngung bekommen haben, könnten im Frühjahr Pferdemistkompost im Ausmaß von 10 t/ha bei abgetrockneten und fahrbaren Verhältnissen erhalten. Der verrottete Pferdemist oder der Pferdemistkompost – ein frischer strohreicher Pferdemist darf auf Weiden nicht eingesetzt werden – wächst in die Grasnarbe ein, wird im Frühjahr beim Abschleppen noch zerrieben und wird so der Mineralisation dem Bodenleben zugeführt. Gibt es am Betrieb keinen geeigneten Pferdemist, so könnte auch Mineraldünger im Frühjahr im Ausmaß von 200 kg/ha Vollkorn gelb in bester Verteilung eingesetzt werden.

Kleinkoppeln - meist nur „grüner Auslauf“
Einstellbetriebe halten die Pferde aus vielen Gründen stundenweise, einzeln und hintereinander auf kleinen Koppeln. Frischluft, natürliches Licht und das Bedürfnis zu Grasen können einigermaßen gestillt werden, doch für die Ernährung können die hoffnungslos übernutzten Koppeln keinen Beitrag leisten. Aus hygienischen Gründen ist das Einsammeln des Kotes (Parasiten) 2 Mal wöchentlich eine vordringliche Maßnahme.
Ohne entsprechende Weideruhe können pflanzenbauliche Verbesserungen nicht greifen, weshalb der „Hungerrasen“ ihr Markenzeichen bleibt. Sie erfüllen im eigentlichen Sinn keinen Beitrag zur Weide als Ernährungsgrundlage.

Insektenschutz
Mücken, Fliegen, Bremsen werden in der „Outdoor-Saison“ zu stechenden und saugenden Plagegeistern auf der hoch sensiblen Haut der Pferde. Sind die Einrichtungen und das Management optimal, kann das Pferd nach freier Wahl den Unterstand bzw. Stall aufsuchen.
Repellents (Schreckstoffe ) sind meist synthetisch hergestellte Mittel zur Vertreibung von Insekten mittels Pumpspray. Ihre Wirkung hält höchstens 6 Stunden an. An selbst hergestellten Repellents können Waschungen mit Essigwasser (1:20), Absud aus Walnussblättern oder Birkenrinde (jeweils 1 Handvoll auf 2 Liter Wasser + 10 Minuten kochen) Abhilfe schaffen.
Der Einsatz von Knoblauch wird von Tierärzten und Anwendern kontrovers diskutiert. In Kombination mit Kräutern soll er als „Abwehr von innen“ durch die veränderte Ausdünstung wirken (Verwendung von Hefe = Vitamin B-Komplex). Eigenbaurezepturen übertreffen fast immer die toxische Dosis von 20 g/Tag/Großpferd an frischem Knoblauch, was bei längerer Anwendung Anämien auslösen kann, aber die Plagegeister nicht effektiv abwehrt.
Ekzemgefährdete Pferde sollen nachts eingestallt werden und brauchen tagsüber einen großen schattigen Unterstand. Die Stiche der Kriebelmücken (Melusinidae) gelten als Mitauslöser der endogenen Eiweißallergie. Sie schwärmen stark in der Abend- bzw. Morgendämmerung und mittel während der Nacht. Fettende Emulsionen sind gut geeignet, am wirksamsten sind aber die sog. „Ekzemerdecken“ aus einem engmaschigen, luftigen und Wasser abstoßenden Gewebe (Decke mit Kopf-, Halsteil und Bauchlatz).

Pferdegerechter Weidezaun
Die landesübliche Einzäunung genügt für die heutigen Ansprüche nicht mehr, da sich die Nutzung des Pferdes und die Eigenschaften der Rassen zu sehr gewandelt haben. Die Reizschwelle für die Auslösung des Fluchtinstinktes besonders bei Sportpferden ist drastisch gesenkt worden, d.h. oft genügen schon geringste Anlässe für panikartige Reaktionen. Ein artgerechter Zaun hat auf diese Eigenheiten Rücksicht zu nehmen und gerade Pensionsbetriebe begeben sich auf rechtlich bedenkliches Terrain, wenn Auslauf- oder Koppelzaun dem nicht entsprechen. Als Abgrenzungen zu Verkehrswegen und Bahnen sind die Anforderungen wesentlich höher, als wenn umzäunte Teilflächen für das Weiden portioniert sind.

Autoren: Ing. Gerhard GINDL, Univ. Doz. Dr. Karl BUCHGRABER, Institut für Pflanzenbau und Kulturlandschaft, Ing. Walter WERNI, Landespferdezuchtverband Steiermark, Dr. Leopold ERASIMUS, LK Niederösterreich, Dr. Max DOBRETSBERGER, Spanische Hofreitschule-Bundesgestüt Piber und LK Steiermark.


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Aktualisiert am: 27.05.2008 10:01
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