Das Finanzamt macht Ferien auf dem Bauernhof

Für landwirtschaftliche Betriebe ist der Landtourismus zur zusätzlichen Einkommensquelle geworden. Die Besteuerung der Leistungen ist dabei nicht immer durchsichtig.
Eindeutig zu definieren ist die Besteuerung von Tourismusangeboten auf dem eigenen Betrieb nicht.             Bildquelle: Lizzy Tewordt/pixelio.de
Eindeutig zu definieren ist die Besteuerung von Tourismusangeboten auf dem eigenen Betrieb nicht. Bildquelle: Lizzy Tewordt/pixelio.de
Der Staat holt sich seinen Anteil an den Urlaubseinnahmen – natürlich neben der Einkommensteuer auf die Gewinne – über die Mehrwertsteuer. Einnahmen aus dem Urlaub auf dem Bauernhof sind, auch bei pauschalierenden Betrieben, Umsätze, die der Regelbesteuerung unterliegen. Damit muss der Landwirt 19 % oder 7 % Umsatzsteuer ans Finanzamt abtreten. Denn die Vermietung von Gästezimmern und Ferienwohnungen zur Fremdenbeherbergung dient nicht land- und forstwirtschaftlichen Zwecken. Solche Umsätze unterliegen daher nicht der Durchschnittssatzbesteuerung. Bei kurzfristigen Beherbergungen kommt die Steuerbefreiung für Vermietungsumsätze nicht zur Anwendung. Allerdings gibt es für die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen, die ein Unternehmer zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithält, den ermäßigten Steuersatz von 7 % für Hotelbetriebe. Der ermäßigte Steuersatz erfordert neben der Kurzfristigkeit, dass die Umsätze unmittelbar der Fremdenbeherbergung dienen. Die Steuerermäßigung erfasst auch die kurzfristigen Beherbergungen in Pensionen, Fremdenzimmern, Ferienwohnungen und vergleichbaren Einrichtungen.
Vermietet der Landwirt Campingflächen, sind die Einnahmen daraus als Vermietungsumsätze zu sehen. Diese sind steuerfrei, wenn die Mietdauer sechs Monate übersteigt („Dauercamper“). Ansonsten ist die Überlassung der Campingflächen steuerpflichtig mit 7 %. Darunter fallen insbesondere die Einnahmen aus der Vermietung von Flächen zum Aufstellen von Zelten und zum Abstellen von Wohnmobilen und Wohnwagen. Auch die kurzfristige Vermietung von ortsfesten Wohnmobilen, Wohncaravans und Wohnanhängern unterliegt der 7%-igen Mehrwertsteuer. Zur begünstigten Vermietung gehören auch die Lieferung von Strom und die Überlassung der Gemeinschaftseinrichtungen (Wasch- und Duschräume, Toiletten, Wasserzapfstellen, elektrische Anschlüsse, Kinderspielplätze etc.) Nicht 7 %, sondern volle 19 % muss der Landwirt aber für weitergehende Umsätze verlangen; als da wären Nutzung von Sportgeräten und Sportanlagen, wie z.B. Segelboote, Wasserski, Reitpferde, Tennisplätze, Minigolfplätze, Hallen- und Saunabäder. Werden Reiterferien angeboten, kommt neben den allgemeinen Beherbergungsumsätzen auch die Unterbringung fremder Pferde in Betracht. Diese Umsätze aus dem Einstellen und Betreuen von Reitpferden, die von ihren Eigentümern in ihrer Freizeit genutzt werden, sind nicht pauschalierungsfähig, sondern lösen ebenfalls 19 % Umsatzsteuer aus.

Autor: Alexander Kimmerle, Dipl.-Finanzwirt (FH), Steuerberater, landwirtschaftliche Buchstelle, Kempten

Autor: Lena Adlhoch
Aktualisiert am: 22.11.2012 11:36
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