Das Euter – die „Achillesferse“ der Rindergesundheit

Mastitis ist nach wie vor die kosten- und behandlungsintensivste Erkrankung im Milchviehbereich. Trotz einer kaum überschaubaren Auswahl antibiotischer und antibiotikafreier Wirkstoffe führen lästige Infektionserregern zu hohen Verlusten in der Milchindustrie.
Verwendet der Melker Handschuhe, so können die Keime um mehr als 90 % reduziert werden.
Verwendet der Melker Handschuhe, so können die Keime um mehr als 90 % reduziert werden.
Anfang Oktober trafen sich über 340 Forscher und Praktiker in Den Haag, um den aktuellen Stand der Wissenschaft vorzustellen. Die Einbußen, die diese Krankheit in den Milchviehbetrieben anrichtet, sind enorm. Alleine in den USA werden die Schäden auf 2 Mrd. Dollar beziffert. „Aus der Forschung für die Praxis“ lautete denn auch das Motto und die Zielvorgabe dieser hochkarätigen Veranstaltung. Dabei wird ein äußert ehrgeiziges Ziel verfolgt: Mit dem 5-Jahres-Mastitis-Plan will man durch eine Fülle von umfangreichen Forschungsvorhaben die Rate an Eutererkrankungen um 10 % absenken können. Ganz Rest-Europa schaut deshalb die nächste Zeit weiter gespannt nach Holland.

Handschuhe und Melken
Was eigentlich eine alte Binsenweisheit ist, wurde jetzt erstmals und sehr deutlich von einem holländischen Team demonstriert: Die Bedeutung des „Handschuh“-Melkens. Selbst wenn viele Landwirte (hier vor allen Dingen die Männer!) „handschuhresistent“ sind, sollte aber gerade beim Vormelken nicht darauf verzichtet werden. Gerade die ersten Strahlen des Vorgemelks enthalten bedeutend mehr (und vor allen Dingen) ansteckende Keime, die sich auf den Händen der Melker festsetzen und dadurch weitere Kühe anstecken können. Durch den Handschuheinsatz können die Keime um mehr als 90 % reduziert werden. Diese Argumente waren für viele holländische Landwirte Grund genug, Handschuhe überzuziehen: Die Akzeptanz stieg von 27 % (vor der Erhebung) auf 43 % der Betriebe an.

Fazit
Die landwirtschaftlichen Betriebe werden in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach weiter stark expandieren. In erfreulicherweise ähnlichem starkem Vorwärtsgang präsentiert sich die Wissenschaft in Bezug auf die Eutergesundheit. Mit Hilfe modernster, neuer Techniken wird insbesondere die Überwachung und Früherkennung von Euterproblemen zunehmend automatisierter und zuverlässiger. Somit stehen die Aussichten nicht schlecht, weiterhin gute Milch zu produzieren und dabei trotz Hochleistung sogar die Nutzungsdauer der Kühe erhöhen zu können.

Autor: Dr. Peter ZIEGER, Innovationsteam Milch Hessen


Autor:
Aktualisiert am: 24.11.2008 16:24

Landwirt.com Händler Landwirt.com User