D: Mengendruck am Milchmarkt

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) sieht den Milchmarkt aktuell unter Mengendruck: „Spotmarktpreise im Norden tendieren bereits wieder gegen 20 Cent“. Es werden keine wesentlichen Veränderungen auf der Nachfrageseite erwartet, die Billigstpreise haben keinen Konsumschub gebracht und Imitatprodukte werden weiterhin als Problem gesehen.
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht einen Mengendruck am deutschen Milchmarkt gegeben.
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht einen Mengendruck am deutschen Milchmarkt gegeben.
Die Krise sei mit der Erholung der Preise in den letzten Wochen nicht überwunden. Die Spotmarktpreise im Norden Deutschlands tendierten bereits wieder gegen 20 Cent, warnte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter am vergangenen Freitag auf der Grünen Woche. Aus Frankreich kämen Marktsignale, die auf zusätzliche Milchmengen hinwiesen. Aufgrund der expansiven Verkaufspolitik deutscher Molkereien in Richtung Frankreich sei der französische Milchmarkt unter massiven Druck gesetzt worden, und dies trotz eines Rückgangs der französischen Milchproduktion um 4,8%. Es gebe zwischenzeitlich auch in Frankreich massive Bestrebungen, die Milchproduktion wieder auszuweiten, erklärte der BDM. Mit Blick auf die Milchanlieferung in Deutschland werde dort berechtigterweise argumentiert, es könne nicht sein, dass sich Frankreich in seiner Produktion beschränke, während in Deutschland das Gegenteil passiere. Zur Lage der Erzeugererlöse betonte der BDM, auch Milchpreise um 28 Cent/l ließen keine nachhaltige Milchproduktion zu. Wesentliche Veränderungen auf der Nachfrageseite seien nicht zu erwarten. Auch die Billigstpreise der letzten Monate hätten keinen Konsumschub gebracht.

Kritik am Milchpaket
Unzufrieden ist der BDM nach wie vor mit der agrarpolitischen Ausrichtung in Deutschland und auch mit den von der Bundesregierung beschlossenen Milchhilfen. Die Erzeuger würden mit den beschlossenen Hilfsmaßnahmen weder gestärkt noch wettbewerbsfähig gemacht, sondern massiv geschwächt, weil damit die für Wettbewerbsfähigkeit notwendige Wertschöpfung verhindert werde. Oberste Priorität habe eine effiziente Marktsteuerung, über die Angebot und Nachfrage einander angepasst werden könnten. Der BDM wolle vernünftige Rahmenbedingungen, nicht ein Mehr an staatlichem Geld, betonte Verbandspräsident Romuald Schaber. Die Position der Erzeuger müsse gestärkt werden.

Keine Gleichberechtigung für Landwirte
Für faire Milchpreise setzte sich in Berlin auch das European Milk Board (EMB) ein. In einer Gemeinsamen Erklärung mit der Organisation Oxfam und der Milleniumskampagne der Vereinten Nationen heißt es, den Milcherzeugern fehle es an Verhandlungsmasse in einem Markt voller Überschüsse. Dies verhindere, dass die Landwirte in Europa und in Entwicklungsländern gleichberechtigt gegenüber Molkereien und Einzelhandelsketten auftreten könnten. Während den Erzeugern im Schnitt 26 Cent/l gezahlt würden, betrügen die Kosten 40 Cent, erklärte Schaber in seiner Eigenschaft als EMB-Präsident mit Blick auf den EU-Markt. Die Betriebe in ganz Europa lebten von der Substanz und müssten ihre Milchproduktion aus anderen landwirtschaftlichen Aktivitäten finanzieren. Hauptursache sei die von der Europäischen Union vorangetriebene Überproduktion. (AgE)

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Aktualisiert am: 19.01.2010 22:24
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